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Abschied von einem Netzwerker

Am Vormittag des 2. Mai verstarb plötzlich und unerwartet der langjährige Vorsitzende des Gothaer Gewerbevereins und Träger der Myconiusmedaille Andreas Dötsch. Ein herber Verlust für uns alle.

Gotha

Er nahm sich immer die Zeit für ein Gespräch. Was unter vier Augen bleiben sollte, wenn man Rat brauchte, das blieb auch dort. Sachlich und dennoch herzlich, so kenne ich ihn. Andreas Dötsch, Vorsitzender des Gewerbevereins Gotha von 2013 bis Anfang März 2025, ist am Vormittag des Freitags am 2. Mai 2025 plötzlich und unerwartet verstorben. Ein großer Netzwerker verlässt uns und wird fehlen.

Ich erinnere mich, solange ich in Gotha arbeite, für meine journalistische Arbeit in ihm immer einen kompetenten Ansprechpartner gefunden zu haben. Nahezu jeder Besuch in seinem innerstädtischen Ladengeschäft brachte die Ankündigung neuer Aktivitäten. Andreas Dötsch kannte und erkannte Zusammenhänge im gesellschaftlichen Leben und sprühte voller Ideen. Auch in seinem Hauptberuf, der Führung des Multimedia-Geschäfts, war er erfolgreich, als helfende Hand mit Fachkompetenz geschätzt und immer am Puls der Zeit. Gemeinsam mit seiner Frau Diana richtete er vor Jahren sein Geschäftsfeld zusätzlich auf die Beratung von Senioren beim Umgang mit internetfähigen Geräten aus. Die Mönchelsstraße 19 wurde immer mehr zum Treffpunkt für alle, die in der Kreisstadt ehrenamtlich etwas bewegen wollen.

Andreas Dötsch lehnte es konsequent ab, andere Menschen auszugrenzen. In der Coronazeit half der Gewerbeverein vor allem den kleinen Gewerbetreibenden, staatliche Hilfen zu beantragen. Andreas war ein Motor dieser Hilfe. Doch als man an ihn herantrug, der Gewerbeverein möge unterstützen Menschen mit Covid-Spritzung durch ein Armbändchen zu kennzeichnen, damit sie einkaufen können, lehnte er konsequent ab, da dadurch der Impfstatus eines jeden sichtbar geworden wäre.

Ebenso verstand er es hervorragend, den Kontakt zu Mitgliedern des Kreistages und Stadtrates zu halten, über alle Fraktionsgrenzen hinweg.

Zurzeit findet man noch Videos von ihm innerhalb unterschiedlicher Plattformen im Netz, die einen engagierten Menschen mit Humor und Lebensfreude zeigen. Er hat es immer verstanden, auch auf dieser Klaviatur zu spielen, um sein Geschäft zu bewerben, um seine Affinität zu Dichtern und Schriftstellern wie Erich Kästner zum Ausdruck zu bringen, in dem er Gedichte las und vor allem um die Anliegen des Gewerbevereins voran zu bringen.

Andreas Dötsch war vom 2012 bis 2018 2. Vorsitzender und Gründungsmitglied des Gewerbevereins Gotha e.V. Seit 2018 führte er den Verein als Vorstandsvorsitzender an und wurde 2020 und 2023 wieder gewählt. Am 7. März endete diese Tätigkeit für ihn, weil er sich entschlossen hatte, nicht wieder zu kandidieren.

In seiner Abschiedsrede nahm er kein Blatt vor den Mund und thematisierte auch Spannungsfelder. Seine Worte wurden mit lang anhaltendem Beifall bedacht. Bücken zu bauen anstatt Konflikte zuzuspitzen sei sein Motto gewesen, betonte er.

Aus dem gesellschaftlichen Leben zog er sich dennoch nicht zurück, stand seinen Nachfolgern zur Seite und mit regelmäßigen Vernetzungstreffen in der Mönchelsstraße setzte er sich weiter dafür ein, gemeinsam etwas für die Stadt zu bewegen

So leitete auch der Waltershäuser Gewerbeverein am 8. Mai seine Mitgliederversammlung mit einer Gedenkminute für Andreas Dötsch ein. Er hatte bei der Gründung des Waltershäuser Vereins mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Heute prägt der Waltershäuser Partner-Verein das gesellschaftliche Leben in der Kleinstadt ebenso mit wie es der Gothaer Verein in der Kreisstadt tut.

Am 3. Mai 2023 wurde Andreas Dötsch die Myconiusmedaille der Stadt Gotha offiziell überreicht. Infolge eines einstimmigen Jury-Entscheides erhielt er sie.

In der Zeit seines Vorsitzes im Gewerbeverein stieg die Mitgliederzahl der Gewerbevereins auf 150. Wesentlich auf ihn zurück geht das Etablieren des Gotha-Gutscheines in der Stadt und im Landkreis. Mit dem Gutschein werden inzwischen sechsstellige Summen bewegt und es bleibt viel Geld in der Region. Der Gewerbeverein ist nicht zuletzt dank Andreas Dötsch eine Hausnummer in Gotha geworden, die nicht mehr zu übersehen ist. Treffen unter dem Motto „get2gether“, die Jahresempfänge mit der Verleihung des Dirk-Kollmar-Preises und des Löfflerpreises tragen dazu bei.

Die Gothaer Innenstadt zu beleben war schon immer eine Herzensangelegenheit für Andreas Dötsch. Er war bereits 2005 bis 2006 Mitglied der Interessengemeinschaft Gothaer Gewerbetreibender und Gastronomen (IGG), war von 2006 bis 2010 Beiratsmitglied und später Vorstandsmitglied des Fördervereins Gothaer für Gotha e.V. Von 2009 bis 2014 engagierte er sich aktiv in der Piratenpartei Gotha, zunächst als Mitglied, später als Kreisverbandsvorsitzender, bevor er 2014 aus der Partei austrat.

Andreas Dötsch ging es nie allein um die Rahmenbedingungen für sein Geschäft, das er gemeinsam mit seiner Frau Diana betrieb. Er hatte stets auch den wirtschaftlichen Erfolg und das Gemeinschaftsleben in der Stadt und darüber hinaus im Blick. Vieles ging auf seine Ideen und seine Initiative zurück und er half auch oft anderen mit seiner Expertise, verwies aber auch mir gegenüber stets auf den Beitrag der anderen. Mit ihm geht ein Freund. Andreas Dötsch wurde 49 Jahre alt.

Die Trauerfeier findet am Dienstag, dem 27. Mai um 12 Uhr auf dem Hauptfriedhof in Gotha statt, teilt die Familie mit. Es wird gebeten, von Blumengestecken abzusehen, da die Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis in Behringen stattfindet. Außerdem gibt es eine offene Gedenkveranstaltung am Freitag, dem 30. Mai ab 18.30 Uhr (Einlass ab 18 Uhr) in der Stadthalle Gotha, zu der der Gewerbeverein ausdrücklich auch Nicht-Mitglieder einlädt. Dort wird noch einmal wie bereits am Neumarkt zu den Markttagen ein Kondolenzbuch ausliegen. Wer teilnehmen will, wird gebeten, sich unter info@gewerbeverein-gotha.de anzumelden.

Der Gotha-Gutschein wird digital


Erste Gutscheine im Scheckkartenformat eingetroffen. Gutscheine für Firmen wiederaufladbar.

Der digitale Gotha-Gutschein ist da. Dies ist die Geschenk-Variante, die es in Stückelungen zu 10, 25 und 50 Euro gibt. Aber auch, zum Beispiel zu Geburtstagen, unrunde Summen können auf Wunsch aufgeladen werden. Die Variante zum Aufladen, die Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern schenken können und dann steuerlich wie eine Sachleistung gelten, hat anstelle des Schriftzuges „Mach Dir eine kleine Freude“ das jeweilige Firmenlogo.

Der Gotha-Gutschein, seit dem 16. Oktober 2020 am Start, ist eine Erfolgsgeschichte , die regionale Wirtschaft und damit die Region zu stärken. 45.000 Stück wurden bisher verkauft. Sie sind als Geschenk nutzbar, wenn man einheimische Händler, Dienstleister und Kulturschaffende unterstützen will.

Der Schwerpunkt liegt bei Unternehmen, die ihren Mitarbeitern einen steuerfreien Zusatznutzen gewähren und diesen als Betriebsausgabe steuerlich absetzen wollen.

Doch allmählich gerät das System an Grenzen, erörterte kürzlich der Andreas Dötsch, der Vorsitzende des Gothaer Gewerbevereins in kleiner Runde mit Firmenvertretern. Das Papier, seine Veredelung und die Sicherheitsmerkmale werden immer teuerer.

Die Lösung sei, den Gotha-Gutschein zu digitalisieren. Dafür wurde die Firma AVS aus Bayreuth gewonnen, die über viel Erfahrung bei der Digitalisierung von City-Gutscheinen verfügt.

Es wird künftig zwei Arten des Gotha-Gutscheines geben. Zum einen jenen, der in einer Hülle steckt, die als Warenträger genutzt werden kann. Diese Gotha-Gutscheine sind einmal verwendbar, aus recyceltem Kunststoff und tragen 10, 25 oder 50 Euro Guthaben. Verkauft werden sie im Gotha-adelt-Landen am unteren Hauptmarkt, im Kunstforum in der Querstraße der Kreisstadt, im Kaufhaus Moses sowie in der Apotheke Ibenhain. Weitere Verkaufsstellen kommen hinzu.

Eine Aufladung mit anderen Beträgen, bis 250 Euro, kann im Büro des City-Managements am Neumarkt 10, und im Multimedia-Store in der Möchelsstraße 19 sowie im Verlauf der Bestellung online auf „https://www.gotha-gutschein.de/kaufen“ vorgenommen werden, zum Beispiel wenn jemand zu seinem 66. Geburtstag einen digitalen Gutschein über 66 Euro geschenkt bekommen soll.

Der Vorteil gegenüber der Papier-Variante hier: Es können Teilsummen abgebucht werden. Über die Webseite: „https://www.gotha-gutschein.de/verkaufsstellen“ kann das Guthaben abgefragt werden. Nur eine Barauszahlung ist nicht möglich.

Der zweite Variante ist die Mitarbeiterkarte. Sie ist ähnlich dem Scheckkartenformat des Geschenkscheines gestaltet und hat Platz für das Firmenlogo. Hier wird die gesetzliche Regelung der steuerfreien Sachzuwendung zur Arbeitnehmerbindung voll genutzt. Die Mitarbeiterkarte kann mit bis zu 50 Euro pro Monat aufgeladen werden. Ein Webbrowser-basiertes Frontend der Firma AVS, die „AVS Personal App“, ermöglicht es. Das System gestattet den Arbeitgebern keinen Einblick darauf, für welche Produkte der Arbeitnehmer die Karte einsetzt. Die Server stehen in Bayreuth, die Datenschutz-Grundverordnung ist erfüllt. Einige Unternehmen im Kreis Gotha, darunter die Kreissparkasse, nutzen es bereits. Firmen, die es ebenfalls wollen, können sich an e.kupfer@gotha.de wenden.

Inzwischen gibt es bereits 48 Annahmestellen für die digitale Variante in Stadt und Kreis. Unter “https://www.gotha-gutschein.de/annahmestellen“ sind sie aufgeführt. Das Spektrum reicht vom Verkauf über Dienstleitungen bis zu Kultur.

Um den digitalen Gotha-Gutschein annehmen zu können, benötigen alle bisherigen Annahmestellen des Papier-Gutscheines einen neuen Vertrag. Die Varianten der Abbuchung von den Karten sind vielfältig. Es können sowohl Smartphones wie auch vorhandene elektronische Kassensysteme genutzt werden.

Das Gutscheinsystem wird wesentlich von den Annahmestellen mitgetragen, da sie nur einen Teil des Gutscheinbetrages zurückerstattet bekommen. Bisher waren es pro 10-Euro-Gutscheinwert 9,40 Euro. Beim digitalen Gutschein verbessert es sich auf 9,60 Euro. Die Differenz, die die Annahmestellen tragen, wird auch für Werbung eingesetzt. Sie reicht von einem Eintrag auf der Website des Gewerbevereins, vorteilhaft für Unternehmen, die keine eigene Website betreiben wollen über Großplakate bis zu Zapfsäulen. Für die Digitalisierung wurden mit Hilfe der Unterstützer 30.000 Euro eingesetzt.

Der Gewerbeverein, das Gothaer City-Management und die Kultourstadt GmbH tragen das System. Unterstützer sind die Kreissparkasse Gotha, die Stadtwerke Gotha und die VR-Bank Westthüringen eG. Der Gotha-Gutschein hat eine gute Rücklauf-Quote. Da der Gutschein über 11 Euro nicht mehr ausgegeben wird, ist der Vergleich möglich. Bereits jetzt, so Andreas Dötsch, betrage die Rücklauf-Quote 80 Prozent, aber die Gutscheine über 11 Euro sind noch bis Ende 2024 einlösbar. Die 11-Euro-Variante stammt noch aus der Zeit, in nur 44 und nicht 50 Euro pro Monat steuerlich anerkannt wurden.