Ein Bürgermeister für Waltershausen: Michael Brychcy kandidiert nicht mehr und fünf Nachfolger stehen am 26. Mai 2024 zur Wahl.

Blick auf das Stadtgebiet der Stadt Waltershausen aus nordnordöstlicher Richtung mit Stadtkirche, Markt, Schloss Tenneberg und Waldtor. Darin eingeblockt die Bürgermeister-Kandidaten im Uhrzeigersinn links oben beginnend: Steffen Fuchs, Sven Wiesenthal, Bastian Möller, Marco Wölk, Leon Graupner.

Waltershausen, die Kleinstadt im Westen des Landkreises Gotha mit reichlich Tradition und Nähe zum Thüringer Wald, hatte seit der Wende ein und denselben Bürgermeister: Michael Brychcy von der CDU. Zur Bürgermeisterwahl am 26. Mai möchte er nach so vielen gewonnenen Wahlen und so vielen Jahren im Amt nicht noch einmal kandidieren. Brychcy strebt stattdessen ein Mandat im Thüringer Landtag an.

Steffen Fuchs, Ortsteibürgermeister für Waltershausen-Schnepfenthal und seit mehr als zehn Jahren Mitglied im Stadtrat und Kreistag, kandidiert als Einzelkandidat für das Bürgermeisteramt in Waltershausen.

Die Nachfolge wird spannend. Fünf Kandidaten bewerben sich als Bürgermeister. Zu den bekannteren in der Runde gehört Steffen Fuchs. Er ist ruhendes Mitglied der Bündnisgrünen, tritt als Einzelkandidat an. Er wolle Bürgermeister für alle Waltershäuser sein, so der 53 Jahre alte Ministerialbeamte. Fuchs verzichtete darauf, sich um eine Nominierung auf den Listen der Partei für den Kreistag und für den Stadtrat Waltershausen zu bemühen, obwohl er dort sicher einen Platz bekommen hätte. Fuchs setzt alles auf die eine Karte, diese Bürgermeisterwahl zu gewinnen, denn er kann nicht gleichzeitig für das Bürgermeisteramt und das Amt des Ortsteilbürgermeisters seines Wohnortes Schnepfenthal-Rödichen kandidieren.

Beim Fototermin mit ihm treffen wir auf Michael Brychcy. Er begrüßt es, dass Steffen Fuchs kandidiert und verweist auf dessen langjährige kommunalpolitische Erfahrung. Fuchs ist seit 2009 Mitglied des Gothaer Kreistages und seit 2019 Vorsitzender seiner Fraktion. Er ist außerdem seit 2009 Mitglied des Waltershäuser Stadtrates und seit 2019 Ortsteilbürgermeister von Schnepfenthal-Rödichen. Auf Vorschlag der CDU wurde er zwei Mal zum Vorsitzenden des Ausschusses für Bau- und Umwelt gewählt, erinnert er. Er ist seit 2002 in der Leitung der evangelischen Kirche tätig und seit 2020 Präses der Kreissynode des Kirchenkreises Waltershausen-Ohrdruf, beides Ehrenämter.

Auch sein Haupterwerb hat schon immer einen engen Bezug zum Regionalen. Er war seit 1995 damit beschäftigt, Geld für die Landesentwicklungsgesellschaft den Vorschriften entsprechend bereitzustellen. Dies tat er in unterschiedlichen Ministerien, zunächst beim Innenministerium, dann beim Wirtschaftsministerium.

Regionale Wirtschaftsförderung mit Mitteln der Europäischen Union, des Bundes und des Freistaates sind auch heute noch eines seiner wichtigen Themen, jetzt im Leitungsbereich des Umweltministeriums.

Aus solchen Erfahrungen heraus sieht er pragmatisch auf die lokal- und regionalpolitischen Akzente, die er als Bürgermeister im Zusammenwirken mit dem Stadtrat zu setzen anstreben will. Wenn das Industriegebiet 5 in Waltershausen entsteht, müsse es einen Leitinvestor geben, der seinen Hauptsitz auch hier hat. Dann folgen positive Begleiteffekte durch weitere Ansiedelungen. Zum öffentlichen Personennahverkehr sagt Fuchs, er müsse konkurrenzfähig zum Auto sein. Dazu gehören kurze Taktzeiten. Nur dann würde auch die sehr teure Investition in ein erweitertes Schienennetz der Thüringer Waldbahn sinnvoll sein. Es könnte zum Industriegebiet 5 führen und dann über Langenhain und Bad Tabarz einen Ringschluss ermöglichen. Da alles geht natürlich nur mit dem Landkreis und dem Einverständnis der anderen an der Waldbahn beteiligten Kommunen.

Überhaupt sollten wir mehr regional als nur örtlich denken, unterstreicht Fuchs. Er blickt gedanklich nach Bad Tabarz. Dort wird der Veranstaltungsort Kukuna regelmäßig voll, dagegen gebe es im Gleisdreick in Waltershausen Reserven. Wir sollten da von den Nachbarn lernen und unbedingt kooperieren.

Grundsätzlich, sagt Steffen Fuchs, gehen für ihn Sachfragen vor Ideologie und Lagerbildung. Wer für Meinungsfreiheit ist, muss auch Vorschläge sachlich prüfen können, die aus einer Richtung kommen, die ihm personell vielleicht nicht so gefällt, so sein Credo.

Steffen Fuchs hat von 1991 bis 1994 die Fachhochschule der öffentlichen Verwaltung in Köln absolviert und als Diplom-Verwaltungswirt abgeschlossen. Ab 2005 studierte er berufsbegleitend Volkswirtschaftslehre an der Universität Jena und ist nun auch Wirtschaftswissenschaftler.

Hobbys sind die Pferde und das Reiten. Er hält 40 Hühner, rebhuhnfarbige Italiener. Steffen ist Mitglied im Feuerwehrverein seit 2018 und in der Sportgemeinschaft GuthsMuts Schnepfenthal seit 2020. Hobby ist auch die Kommunalpolitik. Das kann er sagen, da er sie Jahrzehnten ehrenamtlich betreibt. Er wohnt im Waltershäuser Ortsteil Schnepfenthal-Rödichen.

Mit Leon Graupner tritt ein junger, parteiloser Kandidat aus der Waltershäuser Stadtverwaltung an.

Mit Leon Graupner tritt ohne Partei-Unterstützung ein junger Kandidat aus der Verwaltung der Kleinstadt an. Graupner ist parteilos und wird zum Wahltag 26 Jahre alt sein. Er arbeitet seit 2019 im Bauamt der Stadtverwaltung Waltershausen im Bereich der Liegenschaften und ist auch in der Stadt aufgewachsen. „Ich hatte schon nach dem Abitur den Wunsch, für die Stadt zu arbeiten. Während meiner Arbeit lernte ich die Verwaltungswege kennen und den Umgang mit Problemen“, zitiert ihn die Tageszeitung „Thüringer Allgemeine“. Leon Graupner besuchte die Staatliche Grundschule „Friedrich Holbein“ Waltershausen, Staatliche Regelschule Waltershausen und legte das Abitur am Wirtschaftsgymnasium Gotha-Sundhausen ab. Er begann seine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Stadtverwaltung Waltershausen im Jahr 2017 und schloss sie im Jahr 2019 ab. Seit 2021 weitet er berufsbegleitend seine Qualifikation an der Thüringer Verwaltungsschule in Weimar zum Verwaltungsfachwirt aus.

Seit 2019 ist er gemeinsam mit einer Kollegin für alle Grundstücksankäufe und -verkäufe der Stadt zuständig. Er kümmert sich u. a. um öffentliche Ausschreibungen von Grundstücken zum Verkauf, Beauftragung und Prüfung von Kaufverträgen, Wahrnehmung der Beurkundungstermine unter Bevollmächtigung des Bürgermeisters, Bestellung von Dienstbarkeiten, Abschluss von Gestattungsverträgen zur Sicherung der Rechte Dritter auf städtischen Grundstücken, Rangrücktrittserklärungen/Löschungsbewilligungen, Betreuung des Geoinformationssystem und der elektronischen Vergabe und vieles andere mehr bis zur Beschlussvorlage für den Stadtrat, berichtet er zusammenfassend.

Die sechs Kernpunkte seines Wahlprogramms konkretisiert er auf Nachfrage gern. Offene und ehrliche Kommunikation bedeute für ihn, nichts zu versprechen, was man nicht halten kann. Man muss sagen, warum etwas nicht geht, so der Kandidat. Kinder und Jugendliche weiter zu fördern und Freizeitmöglichkeiten für sie zu schaffen. Auch die Vereinsarbeit und die Unternehmen müssen unterstützt werden. Als positives Beispiel nennt er die Ausbildungs- und Jobbörse, die der Gewerbeverein schon mehrfach durchgeführt hat. Die Bergbühne in Fischbach und das Schwimmbad in Winterstein benötigen dringend Sanierungsmaßnahmen, für die noch die finanziellen Mittel geklärt werden müssen. Der neue Bürgermeister und der Stadtrat stehen bei der Klärung der finanziellen Mittel und den Fragen, ob und wie eine weitere Nutzung überhaupt möglich ist, vor großen Herausforderungen. Das kulturelle Angebot muss weitergeführt und ausgebaut werden. Er schlägt vor, neben dem traditionellen Stadtfest auch andere Veranstaltungen wie das frühere Kloßessen als Wettbewerb gegen eine andere Gemeinde zu organisieren. Dies könnte die Zusammenarbeit mit angrenzenden Gemeinden stärken. Auch die Vereine sollen bei der Organisation von Veranstaltungen mit eingebunden werden. Die Ausschreibung für kommunale Gebäude soll weiterhin so gestaltet sein, dass Bewerber ein Nutzungskonzept vorlegen und umsetzen müssen. Waltershausen habe viel Potenzial, durch die nahe Anbindung an die Autobahn 4 und die zentrale Lage in Deutschland. Gegenüber vom Sprachengymnasium in Waltershausen befinde sich der Fahrradübungsplatz. Dort sei seit Jahren die markierung verblasst. Graupner denkt, dass man auch mal darüber nachdenken sollte, dass dieses Gebiet entwickelt werden könnte. Beispielsweise als Treffpunkt für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, indem man eine öffentliche Sportanlage errichtet (Multifunktionales Sportfeld: Volleyballfeld, Fußballkäfig, Basketball; Fitnessgeräte im Freien, Sitzmöglichkeiten), führt er auf.

So einige Beispiele aus dem, was er gemeinsam mit den städtischen Gremien, den Bürgern, den Vereinen, den Unternehmen und gemeinsam mit der Verwaltung gern entwickeln würde. Zum künftigen Industriegebiet 5 ist ihm bewusst, dass sich viel eine Anbindung der Waldbahn daran wünschen. Das würde er auch toll finden, so der Kandidat. Aber für solch ein Vorhaben ist ein Planfeststellungsverfahren nötig, erinnert er. Die Bahn würde die neue Ortsumfahrung um Wahlwinkel und die Verbindungsstraße Wahltershausen/ Wahlwinkel kreuzen. Die Kosten würden mit jeder weiteren Planung auch nicht weniger. Am Ende müsse soetwas auch von irgendjemanden finanziert werden. Er denkt, dass da eine Busanbindung vorstellbarer sei. Letzten Endes könne er die heiße Diskussion um das Industriegebiet zwar nachvollziehen, aber bis zur Umsetzung werde die kommende Legislaturperiode sehr wahrscheinlich vorbei sein, wodurch man ohnehin keinen unmittelbaren Einfluss nehmen könne. Wichtig sei auch, dass dieses Großprojekt nicht von der Stadt Waltershausen gemanaget wird, sondern über die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen läuft.

Leon Graupner ist ledig und hat keine Kinder. Seine Hobbys sind u. a. Sport und Fotografie. Weitere Informationen finden Sie auch auf seiner Webseite.

Bastian Möller tritt für die Partei „Alternative für Deutschland“ an.

Die Alternative für Deutschland (AfD) hat Bastian Möller als Kandidat für das Bürgermeister-Amt in Waltershausen nominiert. Er hat Großhandel gelernt, ist nun in der Metallverarbeitung mit computergesteuerten Werkzeugmaschinen tätig, zuletzt in einer Waltershäuser Firma, und stellt dort Einzelteile her, muss seine Maschinen daher immer wieder neu programmieren. Sein Bezug zur Kommunalpolitik ergibt sich aus 15 Jahren Mitgliedschaft im Ortschaftsrat des Langenhains. Seit fünf Jahren ist er stellvertretender Ortsteil-Bürgermeister. Von 2019 bis 2023 war er berufener Bürger im Ausschuss für Kultur und Soziales des Stadtrates, gab diese Aufgabe aber letzten Winter ab. Am 21. Oktober hat ihn der Ortsverband Waltershausen – Emsetal der AfD als Bürgermeisterkandidat nominiert.

Bastian Möller legt Wert auf den Erhalt der Thüringer Waldbahn, aber eine Ausdehnung des Streckennetzes über Langenhain bis nach Bad Tabarz als zweiten Schienenstrang ist aus seiner Sicht nicht finanzierbar. Für das Geld mehr Busse einzusetzen erscheint ihm sinnvoller.

Das Industriegebiet 5, dessen Entwicklung nicht allein in der Hand der Kommune liegt, wird zum Nutzen oder Schaden abhängig davon, ob Investoren kommen. Allerdings hat er im Wahlkampf Leute kennengelernt und dabei ein Gespräch geführt, das drei Ansiedlungen in Aussicht stellte. Es ist also nicht hoffnungslos, sagt der Kandidat. Aber es kann auch zum Grab für Millionen Steuergeld werden.

Möller will nicht noch mehr Windenergie und auch keine Beeinträchtigung landwirtschaftlich oder zur Erholung nutzbarer Flächen durch Solarstrom-Felder. Was dort ins Stromnetz kommt, sei schwankend und der Ausgleich dieser Schwankungen führe zu immensen Kosten. Die Kommune solle sich gegen solche Vorhaben wie Windräder im Wald aussprechen.

Hortgebühren sollen stabil bleiben, das Schulessen weiter subventioniert und in der Qualität verbessert werden. Katastrophenschutz und der Feuerwehr sollen weiter unterstützt werden. Der Inselsberg müsse kein Freizeitpark werden, denn auch dies könne Steuermillionen versenken. Ein bezahlbarer Schritt wäre, die Straße auf den Inselsberg zu sanieren. Möglichst viel vom in Waltershausen erwirtschafteten Geld soll in der Kommune bleiben.

Bastian Möller möchte in jedem Ortsteil ein Bürgerhaus. Die Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber sollen geschlossen werden. Wessen Antrag abgelehnt ist, der muss gehen und die Anerkannten sollten dezentral untergebracht werden, um Integration zu erleichtern. Der Wohnungsbau sei zu unterstützen, die Innenstadt in Zusammenarbeit mit dem Gewerbeverein zu beleben. Er wünscht sich Ausgewogenheit beim Einsatz der Ordnungsbehörden. Der Schwerpunkt sollte darauf liegen,Vandalismus zu unterbinden. Die Bergbühne Fischbach und das Schwimmbad Winterstein sollen bleiben. Kein weiterer Rückbau kultureller Einrichtungen und häufiger strittige Fragen durch Bürgerentscheide zu klären gehört auch zu seinen Zielen.

Bastian Möller ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder.

Die CDU nominierte Sven Wiesenthal für die Wahl zum Bürgermeister. Er ist Mitglieder der Christdemokraten.

Sven Wiesenthal widmet seinen Urlaub dem Wahlkampf um das Bürgermeister-Amt. Der 34 Jahre alte Polizist ist in Friedrichroda geboren und in Waltershausen aufgewachsen, hat in der industriell geprägten Kleinstadt im Westen des Landkreises Gotha Kindergarten, Grundschule und die Regelschule absolviert. Sein Abitur erwarb er beim Wirtschaftsgymnasium. Wiesenthal ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Der CDU-Ortsverband hat ihn bereits Ende 2023 als Kandidat nominiert.

Sven Wiesenthal ist seit 2013 Polizist. Im Oktober begann er eine Ausbildung für den mittleren Polizeivollzugsdienst. Er war bei der Bereitschaftspolizei und fünf Jahre im Einsatzstreifendienst, hat sich erfolgreich für ein Studium beworben und es als einer der Jahrgangsbesten abgeschlossen. Jetzt arbeitet er bei der Autobahnpolizei als Dienstgruppenleiter. Der Kontakt zu Helge Rau, einem langjährigen Mitglied der Christdemokraten, hat bei ihm das Interesse an der CDU geweckt. Mit 17 trat er ein. Er ist Beisitzer im Vorstand des Ortsverbandes Waltershausen und seit fünf Jahren Mitglied des Stadtrates in der Fraktion CDU/ FDP.

Ihm ist bewusst, dass auch ein Bürgermeister mit guten Idee die Unterstützung des Stadtrates braucht. Viele wegweisende Entscheidungen können nur dort getroffen werden. Bei den Anträgen kommt es aus seiner Sicht nicht darauf an, wer ihn einbringt, sondern ob der Antrag sinnvoll ist. Trifft das zu, können man immer dafür stimmen. Ansonsten gilt, so Wiesenthals Credo, dass für einen Kompromiss sich immer beide Seiten ein Stück bewegen müssen. Und oft braucht man noch weitere Partner wie zum Beispiel Fördermittelgeber, unterstreicht er.

Die Thüringer Waldbahn müsse unbedingt erhalten bleiben, stimmt er mit vielen anderen in der lokalen Politik überein. Eine Erweiterung des Liniennetzes mache aber erst dann Sinn, wenn das Industriegebiet 5 Waltershausen/ Hörsel erschlossen ist, die Umgehungsstraße um Wahlwinkel führt und die Industrie-Ansiedlungen da sind. Auch müsse man sehen, ob die Subventionen in vollem Umfang fließen. Es seien immerhin ein zusätzliches Industriegebiet von beachtlicher Größe und die Investition muss sich lohnen. Wiesenthal wirbt für ein Technologiezentrum, Bildung für den Maschinenbau, Forschung zugunsten alternativer Antriebstechniken, Softwareentwickler vor Ort. Das wäre etwas, junge Leute für die Region zu gewinnen.

Für ein Porträtfoto mag Sven Wiesenthal das Freizeitzentrum Gleisdreieck als Hintergrund, denn das Hobby Eishockey hat ihn in der Jugend geprägt. Vereinsarbeit sei ihm wichtig, betont der Kandidat. Wo immer man es befördern kann, sollten Vereine miteinander sprechen und herausarbeiten, wo etwas klemmt. Es gehe dabei nicht nur um die Unterstützung mit Geld, sondern auch um Organisatorisches.

Zur Energiewende sagt Wiesenthal: Ja, aber mit Augenmaß. Windräder in den Vorranggebieten Langenhain, Schwarzhausen, Sontra und Mechterstädt möchte kein Emsetaler, auch kein Waltershäuser.

In der Stadtverwaltung und im Stadtrat müsse in den nächsten Jahren lösungsorientiert gearbeitet werden, denn mit dem neuen Grundsteuergesetz und der Wärmeplanung kommen Probleme auf die Kommunen zu, betont Wiesenthal und hofft an der Lösung gut mitarbeiten zu können.

Die SPD nominierte ihr langjähriges Mitglied Marco Wölk.

Marco Wölk ist der Kandidat des Ortsvereins der Sozialdemokraten in Waltershausen. In der ehrenamtlichen Kommunalpolitik zählt er zum Urgestein. Seit 12 Jahren hat er ein Mandat im Waltershäuser Stadtrat inne und war die meiste Zeit Vorsitzender der Fraktion SPD / Bündnis 90 – Die Grünen, aktuell ist er Vorsitzender der SPD-Fraktion, da die Fraktionsgemeinschaft mit den Bündnisgrünen nicht mehr besteht. Marco Wölk ist gemeinsam mit seinen Kindern Chef einer Firma, die Automaten für Kaffee, andere Getränke und Snacks aufbaut und betreut. Gelernt hat er ursprünglich Bleiverglaser. Da war er einer von nur zwei Lehrlingen in der DDR. Zuvor hatte er zwölf Jahre lang ein Geschäft für Anglerbedarf geführt. Der 54jährige Wölk wandert gern, zum Beispiel in drei Tagen den Rennsteig in ganzer Länge, ist Hobby-Imker und paddelt und fotografiert, fährt Ski und Snowboard und taucht gern. Er ist mit einer Krankenschwester verheiratet, die im 3-Schicht-System arbeitet. Silberhochzeit war schon.

Marco Wölk will mit einem Wahlprogramm punkten, das 180 Punkte enthält. Viele davon sind allgemeine Aufforderungen, aber es enthält ebenso Konkretes. Mit der Überschrift „Tote wiederbeleben. Lebendige Innenstadt“ wird er deutlich und unterbreitet Vorschläge, wie zum Beispiel den Weihnachtsmarkt wieder in die Stadtmitte zu bringen und ihn mit der Schlossweihnacht zu verbinden. Ein Leerstands- und Brachflächenregister zu erstellen, ist ein weiterer Vorschlag. Wölk will Änderungsvorschläge städtischer Satzungen online zur Diskussion stellen, er wünscht sich eine gemeinsame Tourismuskonzeption für Waltershausen, das Emsetal und den Ortsteil Schnepfenthal, möchte ehrenamtliche Schloss- und Stadtführer gewonnen und ausgebildet sehen und die Ortsteile Fischbach, Winterstein und Schnepfental auf dem Weg zum einem Prädikat als staatlich geprüfte Erholungsorte unterstützt wissen. Den Mitgliedern der Jugendfeuerwehr gönnt er Jahreskarten für die Waltershäuser Schwimmbäder und die Eisbahn im Freizeitzentrum Gleisdreieck. Er will das Industriegebiet mit dem Liniennetz der Waldbahnlinie 6 verbunden haben. Es soll einmal im Jahr einen Ehrenamtstag der Stadt geben. Zusammenfassend wünscht er sich ein „Wir-Gefühl“ in Waltershausen und den Ortsteilen.

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Wahlen 2024: Landrats-Kandidatin Jana Röse wird von drei Parteien unterstützt. Liberale im Kreis Gotha setzen Wahlkampf fort.

Landrats-Kandidatin Jana Röse (5. von links) hier mit FDP-Mitgliedern, die ihre Kandidatur begrüßen und ihr Wahlerfolg wünschen. Von links: André Steiner, André Gebser, Torsten Klöppel, Gerald Wawra, Jana Röse, Jürgen Ehrlich, Steffi Ziegenbalg, Ralf Schlötzer, Prof. Dr. Christian Döbel (Kreisvorsitzender), Nadja Mahar, Bettina Eck und Adreas Finhold.

Die von der CDU des Landkreises Gotha nominierte, aber parteilose Kandidatin für das Amt des Landrates, Jana Röse, wird von den freien Demokraten unterstützt. Dies bekräftigte der Kreisvorstand der Liberalen am Dienstag im wiedereröffnenten Gebäude des ehemaligen Schullandheimes in Waltershausen in der Gothaer Straße 7 am Dienstagabend, dem 7. Mai 2024. Zu dem Treffen waren auch weitere Parteimitglieder und Gäste gekommen. Jana Röse stellte sich den Fragen der Anwesenden.

Wie aus dem Gothaer Kreisvorstand der Partei Bündnis 90 / Die Grünen zu erfahren war, erhält sie auch von dort Unterstützung. Kreissprecher Matthias Kaiser, Beisitzer Felxi Kalbe und der stellvertrende Fraktionsvorsitzende im Gothaer Stadtrat bestätigten dies am Mittwoch, 8. Mai 2024 auf Nachfrage.

Jan Röse ist 49 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Sie ist Verwaltungsbetriebswirtin und arbeitet als Sachgebietsleiterin Zentrale Dienste und stellvertende Amtsleiterin Innerer Service im Landratsamt, hat bereits in mehren Orten des Landkreises länger gewohnt und Verwaltungserfahrung sowohl im Ehrenamt wie beruflich. Von 2010 bis 2011 war sie Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Gotha, von 2012 bis 2014 Sachbearbeiterin in der Gesellschaft für Arbeits- und Wirtschaftsförderung in Erfurt.

Am Freitag, dem 10. Mai 2024 setzen die Freien Demokraten ihren Wahlkampf auf dem Markt in Waltershausen fort. Ab 12 Uhr kann man dort mit Ihnen zum Wahlprogramm ins Gespräch kommen und es gibt unentgeltliche Burger, von Silvio Casa zubereitet. „Freie Burger für freie Bürger“ lautet das Motto dazu – „solange der Vorrat reicht“. Der Ortsverband Waltershausen lädt ein. Neben dieser Aktion sind Wahl-Informationsstände in Waltershausen, Gotha, Georgenthal, Goldbach, Ohrdruf und Neudietendorf geplant. Die Freien Demokraten des Landkreises streben zu den Kommunalwahlen am 26. Mai 2024 Mandate im Kreistag Gotha, im Gothaer Stadtrat und in Gemeinderäten an.

Sie haben im April 2024 ein umfangreiches Wahlprogramm beschlossen, das sich vor allem durch konkrete Vorschläge auszeichnet.

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Nur noch heute: Gothardusfest in Gotha

Der Höhepunkt der Nacht vom Samstag zum Sonntag war – je nach Geschmack – das Feuerwerk an der Wasserkunst im Zentrum der Stadt. Noch bis in die späteren Nachmittagsstunden gibt es ein umfangreiches Programm auf dem oberen und dem unteren Hauptmarkt, am Buttermarkt, auf dem Neumarkt und am Brühl. Dazu Kulinarisches und Kunsthandwerk und geöffente Geschäfte.
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Klingender Wahlkampf mit Klaus Schmitz-Gielsdorf

Am Neumarkt 6 sehr zentral in Gotha gelegen eröffnete Oberbürgermeister-Kandidat Klaus Schmitz-Gielsdorf am 2. Mai sein Wahlkampf-Büro. An der Adresse war Viba, bevor die Filiale des Süßwaren-Herstellers mit dem Fokus auf Nougat in ein größeres Geschäft in der Marktstraße zog. Dann folgte Leerstand mitten im Stadtzentrum, der nun erst einmal beendet ist.

Am Sonnabend, dem 4. Mai ab 12 Uhr wird im neuen Wahlkampf-Büro des Oberbürgermeister-Kandidaten Klaus Schmitz-Gielsdorf musiziert. Zu Klaus Schmitz-Gielsdorf (Gitarre, Posaune, Gesang) werden sich Heiko Knopf aus Jena und Stanislav Elinson aus Leipzig gesellen, teilt der Kreisverband Gotha der Partei Bündnis 90 / Die Grünen mit. Heiko Kopf ist einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Partei und Sänger im Gewandhauschor. Stanislav Elinson ist Beisitzer im Vorstand der Leipziger Grünen. Klaus Schmitz-Gielsdorf ist Mitglieder der Bündnisgrünen und wird von den Bündnisgrünen und der Partei Die Linke unterstützt. In seiner Amtszeit als parteiloser Gothaer Bürgermeister und Bau-Dezernent von 2012 bis 2018 war er häufig in Gotha gemeinsam mit Musikern aus der Region und aus Leipzig aktiv. Unter ob-gotha.de steht sein Wahlprogramm.

Es ist nicht das einzige „neue“ Büro in der Innenstadt, das sich aus dem Wahlkampf ergibt. Schon seit dem 1. März ist am östlichen Ende der Einkaufsmeile Erfurter Straße das Wahlkampfbüro des parteilosen Kandidaten Robert Luhn eingerichtet. Luhn wurde von der Gothaer CDU nominiert und wird von ihr unterstützt.

Die Sozialdemokraten werben neben dem Büro des SPD-Landtagsabgeordneten Matthias Hey am Hauptmarkt 36 für sich. Oberbürgermeister-Kandidat der SPD ist der amtierende Oberbürgermeister Knut Kreuch. Er ist bereits seit dem Februar 1990 Mitglied bei den Sozialdemokraten und ist einer der Sprecher des Seeheimer Kreises innerhalb der SPD in Thüringen.

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Ausgewogen, neutral, objektiv? Was macht gute Journalisten aus?

Einen guten Journalisten erkenne man daran, dass er sich mit keiner Sache gemein mache, auch nicht mit einer guten. Das wird Hajo Friedrichs zugeschrieben. Ein Blog namens „Übermedien“ hat darüber mal einen Text verfasst, denn es ist nicht ganz so direkt von ihm gesagt. Für den Gegenstand dieses Textes ist das aber völlig egal, da den Spruch fast jedermann, der über Journalismus etwas zu wissen glaubt oder sein Anliegen nicht ausreichend repräsentiert sieht oder beides zusammen, ihn gern verwendet. Mitunter, so mein Eindruck, kommen sich Menschen, wenn sie den Spruch verwenden, ganz besonders klug vor. Mit anderen Worten: Sie verwenden ihn in belehrendem Ton.

Dabei ist der Spruch vollkommen blödsinnig. Journalisten sind Menschen und wie alle Menschen machen sie sich ständig mit irgendwelchen Sachen, Thesen, Angelegenheiten, Meinungen „gemein“, mal mehr und mal weniger. Und wenn sie eine These strikt ablehnen, dann sind es ganz logisch die Gegenthesen, die sie unterstützten. Gerade in gesellschaftlichen Zusammenhängen hat wohl kaum jemand die Vorstellung eines Vakuums.

Sich „mit etwas gemein machen“ hat einen abwertenden Klang. Das lässt den dummen Spruch klug klingen, solange er nicht durchdacht wird. Einen guten Journalisten mache aus, dass er nie von etwas begeistert ist, dass er nie von etwas überzeugt ist, dass ihm nie etwas gefällt — das würde wohl niemand sagen. Es sei denn, man stellt sich einen Roboter vor.

Und selbstverständlich wirkt sich die Vorkenntnis des Journalisten auf die Berichterstattung aus. Die Wortwahl, die Gewichtung der Nachrichten untereinander, die Entscheidung, ein Thema überhaupt zu behandeln oder nicht, all dies wird übermitteln, was der Journalist zu der Sache fühlt. Und da ist es mir lieber, der Rezipient weiß, woran er bei dem jeweiligen Publizisten ist, auch wenn dies ihm den Aufwand nahelegt, die Informationen von Kollegen gegenteiliger Meinung ebenso in Betracht zu ziehen.

Wer sich ausgewogen, neutral oder objektiv gibt, manipuliert mit Vorsatz oder aus Versehen, also in Unkenntnis der eigenen Psyche.

Wo ist die Waage des Ausgewogenen und was misst sie? Was kommt in die Waagschale und was nicht? Wie lautet noch mal der ph-Wert des Lebens? Sieben? Also neutral? Oder neun, leicht basisch? Oder doch eher zwei, also ziemlich sauer?

Die Forderung nach Ausgewogenheit und Neutralität birgt auch eine Gefahr. Es werden schnell zwei Thesen, zwei Positionen gegenüber gestellt, und die eine hat Bedeutung, die andere eher nicht. Und schon ist aufgewertet, was die Aufwertung nicht verdient.

Ein Journalist, der „objektiv“ berichtet, wäre sozusagen im Besitz der objektiven Wahrheit. Alle Achtung! Also so eine Art Gott. Die Forderung nach „objektiver“ Berichterstattung ist so ziemlich das Dümmste, was ich jemals an meinen Berufstand gerichtet hörte.

Nun mag man mir entgegen halten, da stehe sogar im Medienstaatsvertrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein entsprechender Passus. Ich erinnere: Das ist der Apparat, der mit „Rundfunkbeitrag“ und Werbung jedes Jahr etwa 10 Milliarden Euro „umsetzt“.

Wörtlich heißt es im § 26, Absatz 2 der Fassung von 2023:

„…Ferner sollen sie die einem öffentlich-rechtlichen Profil entsprechenden Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit achten und in ihren Angeboten eine möglichst breite Themen- und Meinungsvielfalt ausgewogen darstellen.

Grundsätze zu achten heißt aber (leider) nicht, dass sie diese Ziele zu 100 % erreichen. Nur Meinungsvielfalt wäre leicht umsetzbar.

Den guten Journalisten macht aus, dass er immer wieder nach Argumenten gegen seine Überzeugung sucht. Mit anderen Worten: Er ist offen für Neues. Das kann auch in der Absicht geschehen, die Gegenargumente widerlegen zu können. Und wenn er es nicht kann, dann ändert er seine Meinung und ist eben nicht mehr von der Sache überzeugt, vielleicht, weil ihm ein größerer Zusammenhang aufgefallen ist. Viel mehr als nur Sprachgewandheit wäre es daher hilfreich, wenn sich Journalisten (wie Politiker auch) durch einen hohen Grad an Allgemeinbildung auszeichneten. Daran, so mein Eindruck, mangelt es oft.

Warum also wird immer wieder von Neutralität, Ausgewogenheit, Objektivität und so weiter im Journalismus fabuliert? Denken Sie selbst!

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11. Technologietag am Mittwoch, 17.1.24, in Waltershausen, Gleisdreieck

„Mehr Nachhaltigkeit durch effizientere Technologien und Prozesse“ ist der Titel des 11. Waltershäsuer Technologietages, der am Mittwoch, dem 17. Januar 9 Uhr im Freizeitzentrum Gleisdreieck in Waltershausenbeginnt. Anmeldungen sind noch unter kontakt@weiterbildung-thueringen.de möglich. Im kleinen Bild Veranstalter Porf. Dr.-Ing Christian Döbel, Leiter der Studienrichtung Mechatronik und Automation/Professor für Automatisierungs- und Regelungstechnik, an einer Demonstrationsanlage für automatisierte Prozesse, die an der Dualen Hochschule Gera-Eisenach steht. Der Veranstaltungsort liegt direkt an einem Straßenbahn-Knotenpunkt und es sind außerdem reichlich Parkplätze vorhanden.

Konferenz zu nachhaltigen Technologien

Zum elften Male kommen am Mittwoch, dem 17. Januar im Saal des Freizeitzentrums Gleisdreieck — in der Waltershäuser Steinbachstraße 18 — Fachleute zusammen, diesmal aus Thüringen, Sachsen und Bayern. Der 11. Waltershäuser Technologietag steht unter dem Motto „Mehr Nachhaltigkeit durch effizientere Technologien und Prozesse“. Anmeldungen zur Konferenz, die von 9 Uhr bis etwa 16.30 Uhr währt, sind unter der Mailadresse ~kontakt@weiterbildung-thueringen.de~ noch bis zum Konferenztag möglich. Die Teilnahme kostet 285 Euro netto. Jedoch nehmen dank eines Engagements der Kreissparkasse auch Schüler und Studenten teil. Angemeldet sind viele künftige Ingenieure und Informatiker.

Der Referent des Umweltministeriums für nachhaltige Industrie nimmt am gesamten Konferenztag teil und steht für Fragen und Anregungen für jeden Teilnehmer zur Verfügung. Er kann über laufende oder geplante Förderprojekte beraten, Ansprechpartner direkt vermitteln und Termine vereinbaren, erinnert Organisator Christian Döbel, Professor für Automatisierungs- und Regelungstechnik an der Dualen Hochschule Gera-Eisenach.

Zum Waltershäuser Technologietag treffen sich seit 2015 Forscher, Wissenschaftler, Entwicklungsingenieure, Führungspersonal, Geschäftsführer und Firmeninhaber — oft aus dem gesamten deutschsprachigen Raum. Im Jahr 2022 gab es im Zuge der Energiekrise einen zusätzlichen Technologietag unter dem Titel „Energieeffiziente Steuerungen & Regelungen“. Die Vorträge dort reichten inhaltlich von energiesparenden Werkzeugmaschinen, deren Entwicklung und mögliche Nachrüstung bis zu Einsparpotenzialen in großen Industrieunternehmen. Der 10. Technologietag beschäftigte sich mit den Möglichkeiten des Einsatzes künstlicher Intelligenz zur Steigerung der Produktivität.

Am Mittwoch nun geht es unter anderem um Fabrikdesign und Produktionsplanung, den Einsatz von Multi-Sensorik in Prozessen, Wertschöpfung durch CRISP-DM am konkreten Beispiel, Kostensenkung und Qualitätssteigerung bei Verpackungsprozessen und kollaborierende Leichtbauroboter (COBOTS). CRISP-DM ist die Abkürzung für „Cross Industry Standard Process for Data Mining“, ein von der EU gefördertes, branchenübergreifendes Standardmodell für die Datengewinnung. Angekündigt sind zehn Fachvorträge. Das Grußwort hält Bernhardt Stengele, Thüringischer Minister für Umwelt, Energie und Umweltschutz.

Alle vorgestellten Technologien haben dabei einen direkten praktischen Bezug und spornen zur Nachahmung an. Auch regionale Unternehmen sind sehr gern gesehen, während insgesamt ca. 100 Teilnehmer erwartet werden. Die Teilnehmerzahl ist dabei nicht begrenzt. Dies teilt Christian Döbel mit. Die Qualität der Vorträge ist erfahrungsgemäß hoch. Geschätzt wird die Möglichkeit, die Vortragenden im Anschluss an ihre fast immer grafisch umfangreich unterstützten Erörterungen im Detail zu befragen. Bisher seien immer Projekte und sogar Netzwerke im Nachgang entstanden, berichtet Döbel weiter. Eine Mittagspause ist für 12.40 Uhr vorgesehen, Speisen und Getränke stehen bereit. Oft wird die Pause auch für fachbezogenen, kreativen Austausch rege genutzt, so die Erfahrung der bisherigen Waltershäuser Technologietage.

Anmeldung unter kontakt@weiterbildung-thueringen.de

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Das Projekt Käserei am Radweg ist in Gefahr

Tod des Partners erschwert Umsetzung. Bisher kein Imbiss-Angebot direkt am Nessetal-Radweg

Die Lage direkt am Nessetal-Radweg ist ideal. Doch noch braucht es Unterstützung, damit ein Angebot entsteht, das den Radweg noch attraktiver machen würden.

Friedrichswerth
Seit der Imbiss direkt am Nessetal-Radweg in Brüheim geschlossen ist, gibt es westlich von Molschleben erst in der Gaststätte „Propeller“ die Möglichkeit zum Einkehren. Essen und Trinken direkt am Radweg in Friedrichswerth erwerben und dort Platz nehmen zu können, wäre eine Aufwertung des Radweges. Dies und vieles andere bewog vor Jahren Fred Brömme und seine damalige Ehefrau, den ehemaligen Bahnhof Friedrichswerth in den Blick zu nehmen. Eine Käserei samt Imbiss sollte entstehen. Der Bahnhof liegt unmittelbar am Radweg, denn der Radweg wurde auf dem Damm der ehemaligen Eisenbahnstrecke
Bufleben — Großenbehringen, der Nessetal-Bahn, angelegt.

Das Gebäude mit der Adresse Am Bahnhof 95 steht in der Liste der Kulturdenkmale im Nessetal. Fred Brömme hatte schon 2013 einen Blick darauf geworden, dort einen Platz für seine Leidenschaft, die Herstellung qualitativ hochwertigen Käses, zu finden. Er begann später den Ausbau, der damit zugleich das Kulturdenkmal bewahrt. Zunächst wurden die Dächer saniert, später auch mit Hilfe des europäischen Förderprogramms „LEADER“ Geräte zur Käseherstellung erworben.

Doch der Umbau verlief nicht so schnell wie ursprünglich geplant. 2017 verstarb Fred Brömmes Ehefrau. Er sei nahe daran gewesen, das Projekt aufzugeben, schreiben Freunde der Mutter Freds in einer Broschüre, die für die Käserei am Radweg wirbt. Erst als mit Christina Jacob eine Frau mit gleicher Lebensphilosophie in sein Leben trat, ging es weiter. Es entstand eine Fläche vor dem Gebäude, die zum Verweilen einladen soll, wenn das Projekt fertig ist. Ziegen, ursprünglich auch als Milchlieferanten vorgesehen, bekamen gegenüber des roten Klinkerbaus auf der anderen Seite des Radweges ein zu Hause. Der Ausbau ging weiter und es entstanden die ersten bewohnbaren Zimmer. Im Garten sollten Kräuter für die Verfeinerung des Käses wachsen. Eine Lehrküche war geplant. Im einem neben dem Gebäude abgestellten alten Eisenbahn-Personenwaggon sollten Übernachtungsmöglichkeiten für Radfahrer entstehen. Doch im Juli 2023 verstarb Fred Brömme völlig unerwartet nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 54.

Die Technik für die Käseherstellung hat Christina Jacob schon, doch damit ihre Idee Wirklichkeit wird, muss das Gesamtkonzept umgesetzt werden.
Christina Jacob hat bereits einen Grundkurs für Michverarbeitung absolviert und bereitet sich darauf vor, selbst Käse herzustellen. Doch zunächst soll der Hofladen fertiggestellt werden, um Käse aus befreundeten Molkereien zu verkaufen.

Christina Jacob will das Projekt nicht aufgeben, allerdings würde es nur im Ganzen funktionieren und bedingt ein Gesamtkonzept mit Hofladen, Vermarktung von eigens produzierten Milchprodukten und dem Weiterverkauf aus befreundeter Käserei und regionaltypischen Produkten. Auch ist die Verbesserung der Außenanlagen geplant. Entstehen sollen außerdem eine Schulungsküche mit Gäste-WC, Praxisräume für Lebensberatung und Entspannungstherapie und Übernachtungsmöglichkeiten in einem Eisenbahnwaggon. Im Dachgeschoss soll weiterer Wohnraum geschaffen werden. Christina Jacob bietet bereits unter dem Namen „lebe im Gleichgewicht“ unter anderem Kräuterwanderungen und Kurse an. Sie könnten mit einem Käse-Imbiss am ehemaligen Bahnhof ausklingen.

Doch damit das Projekt, unter anderem um den Radweg attraktiver zu machen, verwirklicht wird, braucht sie Hilfe. Die Unterstützung aus dem Nessetal-Ort Friedrichswerth sowie von Freunden und Familie ist schon da. Die Kirmes-Gesellschaft hat ihr in kurzer Zeit einen Zaun gesetzt, Christian Zachow, Inhaber der „BMZ Landschaftsgestaltung Hörselgau“ aus Fröttstädt, hat eine Treppe zur leicht erhöhten Fläche für das Imbiss-Angebot im Freien gebaut und ein Heiko Stipek, Ortsteil-Bürgermeister aus dem Nachbarort Bufleben und Inhaber der „Estrichbau GmbH & Co KG“, ebenfalls zur Gemeinde Nessetal gehörend, bietet eine unentgeltliche Einbauleistung an. Er hatte bereits zuvor Estrich im Verkaufsraum und der Käserei sachgerecht ausgebracht und kennt daher das Projekt gut.

Dafür sei sie sehr dankbar und so etwas mache Mut, sagt die junge Frau. Doch anderes an Material und Leistungen muss Jacob kaufen. Die Spendenaktion findet sich deshalb unter spendenaktion.de. Es reicht, in das Suchfeld Friedrichswerth einzugeben. Wer das Portal, dass laut Christina Jacob bisher zuverlässig gearbeitet hat, nicht nutzen und direkt helfen möchte, kann die Kontonummer IBAN DE 65 8206 4038 0000 3869 44 bei der „VR Bank Westthüringen“ verwenden. Es wird gebeten, „Wir wollen helfen“ als Verwendungszweck einzutragen. Kontoinhaberin Christina Jacob versichert, alle Spenden in das Projekt zu stecken und darüber Nachweis zu führen. Die Spendenaktion selbst riefen gute Freunde der Familie Brömme in den für Jacob sehr schweren Tagen nach dem Tod des Partners ins Leben.

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Spenden für die Kirche in Wölfis

Blick auf die Kirche St. Crucis in Wölfis
Die Kirche St. Crucis hat eine wertvolle Ratzmann-Orgel, die zurzeit restauriert wird.

Wölfis
Beeindruckend ist der Blick in das Kirchenschiff der St.-Crucis-Kirche im Ohrdrufer Ortsteil Wölfis. Doch es ist noch viel zu tun. in und am sakralen Gebäude im Ortskern vieles so wiederherzustellen, wie es einst mal war. Der Zahn der Zeit nagte reichlich am dem Bauwerk von 1736.
Noch immer engagiert sich der Gemeindekirchenrat für die Restaurierung der imposanten Ratzmann-Orgel mit ihren 28 zum Teil seltenen Registern, stellt immer wieder Förderanträge und sammelt Spenden. Die Orgel ist ausgebaut und große Teile ihres Inneren liegen in den Werkstätten der Orgelbau Waltershausen GmbH. Dort werden Pfeifen vorintoniert. Die endgültige Intonierung erfolgt nach dem Einbau, unter anderem da sich die Pfeifen dann gegenseitig im Klang beeinflussen können. So erläutert Orgelbaumeister und zugleich einer der beiden Geschäftsführer Joachim Stade den Prozess.

Claudia Hemmling, Jörg Krieglstein, Gunar Rolapp und Ursula Rolapp (von links nach rechts) sprechen über die Varianten der Unterstützung durch die Sparkassen-Regionalstiftung.

Die Orgelsanierung inklusive Umfeldarbeiten wird am Ende 222.000 Euro gekostet haben, wird geschätzt. Sie umfasst auch den Umtausch der Pfeifen-Attrappen gegen echte Zinnpfeifen.
1917 war das Zinn für Kriegszwecke benötigt worden. Umso größer die Freude über einen Besuch des Sparkassen-Chefs für den Kreis Gotha, Jörg Krieglstein und Abteilungsdirektorin Claudia Hemmling. Krieglstein ist zugleich Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Regionalstiftung der Kreissparkasse Gotha. Da auch mithilfe der Vergabe von Pfeifen-Patenschaften Geld einkommen soll, die Ratzmann-Orgel künftig wieder in ganzer Fülle erklingen lassen zu können, übernimmt die Stiftung für 5000 Euro eine dieser Patenschaften. Diese Patenschaften sind zum Teil auch zu deutlich geringeren Spenden zu haben. Wer spendet, kann seinen Namen auf einer der neuen Pfeifen eingravieren lassen. Damit dies auch sichtbar ist, gibt es außerdem den Eintrag auf einer Tafel. Für die Unterstützung in Wölfis haben sich auch Landrat Onno Eckert und Ohrdrufs Bürgermeister Stefan Schambach (beide SPD) eingesetzt, berichtete Krieglstein. Eckert ist Vorsitzender, Schambach Mitglied des Stiftungsrates. Darüber hinaus soll, diesmal direkt durch die Sparkasse, ein Benefizkonzert mit dem bekannten Gothaer Kirchenmusikdirektor und Organisten Jens Gollhardt unterstützt werden. Erster Orgelpate ist Hans Umbreit, einer der dienstältesten Organisten. Er spielt seit 75 Jahren. Für 1000 Euro übernahm er eine Pfeifen-Patenschaft.

Wölfis
Beeindruckend ist der Blick in das Kirchenschiff der St.-Crucis-Kirche im Ohrdrufer Ortsteil Wölfis, doch es ist noch viel zu tun, im und am sakralen Gebäude im Ortskern vieles so wiederherzustellen, wie es einst mal war. Der Zahn der Zeit nagte reichlich am dem Bauwerk von 1736. 
Noch immer engagiert sich der Gemeindekirchenrat für die Restaurierung der imposanten Ratzmann-Orgel mit ihren 28 zum Teil seltenen Registern, stellt immer wieder Förderanträge und sammelt Spenden. Die Orgel ist ausgebaut und große Teile ihres Inneren liegen in den Werkstätten der Orgelbau Waltershausen GmbH. Dort werden Pfeifen vorintoniert. Die endgültige Intonierung erfolgt nach dem Einbau, unter anderem da sich die Pfeifen dann gegenseitig im Klang beeinflussen können. So erläutert Orgelbaumeister und zugleich einer der beiden Geschäftsführer Joachim Stade den Prozess. 

Die Orgelsanierung inklusive Umfeldarbeiten wird am Ende 222.000 Euro gekostet haben, wird geschätzt. Sie umfasst den auch Umtausch der Pfeifen-Attrappen gegen echte Zinnpfeifen. 
1917 war das Zinn für Kriegszwecke benötigt worden. Umso größer die Freude über einen Besuch des Sparkassen-Chefs für den Kreis Gotha, Jörg Krieglstein und Abteilungsdirektorin Claudia Hemmling. Krieglstein ist zugleich Vorsitzender des Stiftungsvorstandes der Regionalstiftung der Kreissparkasse Gotha. Da auch mithilfe der Vergabe von Pfeifen-Patenschaften Geld einkommen soll, die Ratzmann-Orgel künftig wieder in ganzer Fülle erklingen lassen zu können, übernimmt die Stiftung für 5000 Euro eine dieser Patenschaften. Diese Patenschaften sind zum Teil auch zu deutlich geringeren Spenden zu haben. Wer spendet, kann seinen Namen auf einer der neuen Pfeifen eingravieren lassen. Damit dies auch sichtbar ist, gibt ausserdem den Eintrag auf einer Tafel. Für die Unterstützung in Wölfis haben sich auch Landrat Onno Eckert und Ohrdrufs Bürgermeister Stefan Schambach (beide SPD)  eingesetzt, berichtete Krieglstein. Eckert ist Vorsitzender, Schambach Mitglied des Stiftungsrates. Darüber hinaus soll, diesmal direkt durch die Sparkasse, ein Benefizkonzert mit dem bekannten Gothaer Kirchenmusikdirektor und Organisten Jens Gollhardt unterstützt werden. Erster Orgelpate ist Hans Umbreit, einer der dienstältesten Organisten. Er spielt seit 75 Jahren. Für 1000 Euro übernahm er eine Pfeifen-Patenschaft. 

Viele weitere Reparaturarbeiten stehen für die Kirche an. Die Orgelsanierung betrifft auch deren Umfeld und den Orgel-Prospekt. Nach dem Ausbau der Orgel zeigten sich bröckelnder und mit Hohlräumen durchzogener Putz. Am 19. Februar 2022 implodierte durch Sturm das erste der oberen Turmfenster.  Das Zwillingsfenster daneben war seit den achtziger Jahren abgedeckt, um zu vermeiden, dass die Lederumhüllungen der Blasebälge und der Züge durch die Sonne altern. Hinter der Abdeckung zeigte sich dann ein Schaden an diesem Fenster. Es wäre verantwortungslos gewesen, dies nicht gleich mit zu erneuern, gibt Ursula Rolapp vom Gemeindekirchenrat zu bedenken. Deckleisten über der Orgel wurden mit bereits in der Kirche gelagertem historischem Holz erneuert, damit künftig kein Dreck auf die Orgel rieselt. 

Auch sind Stuckteile an der Decke der ersten Empore zu erneuern. Daran arbeitet zur Zeit eine die Restauratorin Annemarie Grimm aus Arnstadt. In einer Erfurter Werkstatt wird gerade der einzigartige Taufengel der Kirche durch Heike Glaß restauriert. 

St. Crucis hat Erkerfenster. Die Erker wurden 1983 entfernt, um das Dach einfacher abzudichten. Die Kirche sei daraufhin innen sehr dunkel gewesen, erinnert sich Gunar Rolapp, ein Gemeindemitglied, das auch selbst viele Arbeiten in der Kirche übernimmt. In den neunziger Jahren wurden die Erker wieder neu gebaut, um den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Doch inzwischen haben zwei davon Schäden, wie sich beim ersten neuen Anstrich seit den neunziger Jahren zeigte.

In die Höhe muss auch noch ein inzwischen neu fertiggestelltes zweites Zifferblatt der Turmuhr. Das alte Zifferblatt war ebenfalls durch den Sturm beschädigt. 

So kommen in jedem Bauabschnitt - allein für die Orgel sind es vier - unerwartete Kosten hinzu, berichtet Ursula Rolapp. Deshalb sammelt der Gemeindekirchenrat weiterhin Spenden. Wer helfen möchte, kann unter dem Verwendungszweck „Ratzmann-Orgel Wölfis“ an die Evangelische Kirchgemeinde Wölfis auf IBAN DE 28 8206 4038 0000 2906 10  (VR Bank Westthüringen) spenden. Wer Spendenquittung möchte, sollte bitte zusätzlich zum Verwendungszweck Name und Wohnanschrift vermerken. 

Unter dem Verwendungszweck „Engel“ ist unter der selben Bankverbindung auch eine Unterstützung der Restaurierung des Taufengels der Kirche möglich. Wer Pate einer Orgelpfeife werden möchte, gibt als Verwendungszweck (Kennwort) „Pfeifenpatenschaft“ an. Die Beträge in Euro richten sich danach, auf welcher Pfeife die Inschrift mit dem Namen des Spenders eingraviert und damit für die Nachwelt erhalten bleiben soll.
Blick auf den Orgelprospekt. Noch fehlt dahinter die Orgel.

Viele weitere Reparaturarbeiten stehen für die Kirche an. Die Orgelsanierung betrifft auch deren Umfeld und den Orgel-Prospekt. Nach dem Ausbau der Orgel zeigten sich bröckelnder und mit Hohlräumen durchzogener Putz. Am 19. Februar 2022 implodierte durch Sturm das erste der oberen Turmfenster. Das Zwillingsfenster daneben war seit den achtziger Jahren abgedeckt, um zu vermeiden, dass die Lederumhüllungen der Blasebälge und der Züge durch die Sonne altern. Hinter der Abdeckung zeigte sich dann ein Schaden an diesem Fenster. Es wäre verantwortungslos gewesen, dies nicht gleich mit zu erneuern, gibt Ursula Rolapp vom Gemeindekirchenrat zu bedenken. Deckleisten über der Orgel wurden mit bereits in der Kirche gelagertem historischem Holz erneuert, damit künftig kein Dreck auf die Orgel rieselt.

Auch sind Stuckteile an der Decke der ersten Empore zu erneuern. Daran arbeitet zur Zeit eine die Restauratorin Annemarie Grimm aus Arnstadt. In einer Erfurter Werkstatt wird gerade der einzigartige Taufengel der Kirche durch Heike Glaß restauriert.

St. Crucis hat Erkerfenster. Die Erker wurden 1983 entfernt, um das Dach einfacher abzudichten. Die Kirche sei daraufhin innen sehr dunkel gewesen, erinnert sich Gunar Rolapp, ein Gemeindemitglied, das auch selbst viele Arbeiten in der Kirche übernimmt. In den neunziger Jahren wurden die Erker wieder neu gebaut, um den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Doch inzwischen haben zwei davon Schäden, wie sich beim ersten neuen Anstrich seit den neunziger Jahren zeigte.

In die Höhe muss auch noch ein inzwischen neu fertiggestelltes zweites Zifferblatt der Turmuhr. Das alte Zifferblatt war ebenfalls durch den Sturm beschädigt.

So kommen in jedem Bauabschnitt – allein für die Orgel sind es vier – unerwartete Kosten hinzu, berichtet Ursula Rolapp. Deshalb sammelt der Gemeindekirchenrat weiterhin Spenden. Wer helfen möchte, kann unter dem Verwendungszweck „Ratzmann-Orgel Wölfis“ an die Evangelische Kirchgemeinde Wölfis auf IBAN DE 28 8206 4038 0000 2906 10 (VR Bank Westthüringen) spenden. Wer eine Spendenquittung möchte, sollte bitte zusätzlich zum Verwendungszweck Name und Wohnanschrift vermerken.

Unter dem Verwendungszweck „Engel“ ist unter der selben Bankverbindung auch eine Unterstützung der Restaurierung des Taufengels der Kirche möglich. Wer Pate einer der neuen Orgelpfeifen werden möchte, gibt als Verwendungszweck (Kennwort) „Pfeifenpatenschaft“ an. Die Beträge in Euro richten sich danach, auf welcher Pfeife die Inschrift mit dem Namen des Spenders eingraviert und damit die gute Tag für die Nachwelt lesbar bleiben soll, denn die wieder herzustellenden Register enthalten größere und kleiner Pfeifen. Die Beträge beginnen bei 50 Euro und enden bei 1000 Euro. Mehr kann selbstverständlich gern gespendet werden. Auskünfte zur Patenschaft gibt es unter woelfis@suptur.de.

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Thüringer Liberale tagen in Friedrichroda und stehen zu Thomas L. Kemmerich

Die thüringer Freien Demokraten tagten in Friedrichroda

 

Ein Saal im Ahorn-Berghotel Friedrichroda war der Tagungsort.

 

Friedrichroda
Thomas L. Kemmerich ist wieder Spitzenkandidat der Liberalen für nächste Landtagswahl in Thüringen, die thüringer Delegierten zum Europaparteitag der FDP sind gewählt und Anträge unterbreiten konkrete Vorschläge, zum Beispiel dem Stundenausfall an Schulen und einem Wettbewerbsnachteil einheimischer Transportunternehmen zu begegnen. So die Ergebnisse des 42. ordentlichen Landesparteitages der Freien Demokraten Thüringen. Weit über 100 Liberale und Gäste hatten sich dazu in einem Konferenzsaal des Ahorn-Berghotel in der heilklimatischen Kurstadt am Samstag, dem 21. Oktober 2023 zusammengefunden.

Prof. Dr.-Ing Christian Döbel begrüßte als Vorsitzender des Gothaer Kreisverbandes die Teilnehmer des Landesparteitages, später erörterte er zwei Anträge.

 

Das Grußwort des Kreisverbandes Gotha hielt Prof. Dr.-Ing. Christian Döbel. Er sprach Grundsätze liberalen Handels an. Aufgabe sei die Klärung des Verhältnisses zwischen Staat und seinem Bürger.
Wir drehen als einzige Partei den Spieß herum und erklären, die Bürger könnten auch ohne Staat leben. Sie ermächtigen und befähigen den Staat, seine Aufgaben zu erfüllen, in dem sie begrenzt Rechte abgeben, aber es sei nicht so, dass der Staat die Bürger an die Hand nehmen soll und für sie „sorgt“, so sinngemäß der liberale Kreisvorsitzende.
Die FDP biete konkrete Problemlösungen an, die anders seien als die Angebote von Linke, SPD, Grüne, CDU und AfD. Er freue sich auf den Wahlkampf.

Die Grundsatzrede hielt der Landesvorsitzende Thomas L. Kemmerich. Er kritisierte die amtierende Thüringer Minderheitsregierung scharf, unter anderem für den Griff in die Rücklage zur Finanzierung des Haushalts und die trotzdem bestehenden Lücken. Eine Abstimmung, Kemmerich als Spitzenkandidat der Liberalen in die nächste Landtagswahl 2024 zu schicken entschied er mit über 96 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich.

Jörg Thier, der Schatzmeister des gastgebenden Gothaer Kreisverbandes gratuliert Thomas L. Kemmerich (links) zu seinem hervorragenden Wahlergebis.

 

Der Parteitag bestimmte Annett Hänel und den Landesvorsitzenden der Jungen Liberalen, Christopher Hubrich, zu den Kandidaten der Thüringer FDP zur Europawahl.

Behandelt werden sollten zwölf Anträge zu Inhalten liberaler Politik, davon 5, die zu einem vorangegangenen Parteitag bereits zur Debatte standen. Ein weiterer Antrag zum Nahen Osten, kurzfristig vom Landesvorstand eingebracht, kam hinzu. Es wird üblicherweise erst über die Reihenfolge der Anträge abgestimmt. Das führte auch diesmal dazu, daß einige Anträge wieder aus Zeitgründen nicht mehr diskutiert werden konnten. Mit nur zwei Enthaltungen angenommen wurden der Antrag „Solidarität mit Israel – kein Platz für Antisemitismus“. Er enthält acht Maßnahmen, die mit dem Satz enden: „Wer Terror gegen Israel feiert, hat in Deutschland nichts verloren.“ Die Vertreter der FDP im Landtag, im Bundestag und im Europaparlament sollen sich für den Antragsgegenstand einsetzen.

Die wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands ist Inhalt weiterer Anträge, die meist einstimmig oder mit sehr deutlicher Mehrheit wie eingereicht oder mit kleineren Änderungen angenommen wurden. Die FDP wendet sich gegen den Zeitpunkt der geplanten Maut-Erhöhung zum 1. Dezember 2023. Sie soll auf den 1. Januar 2026 verschoben werden. In dem Gesetz stehe auch die Erweiterung der Maut um eine CO2-Komponente. Die FDP will hier eine Doppelbelastung durch den CO2-Preis ausgeschlossen sehen. Außerdem sollen moderne LKW, die die Euro-Norm 6 erfüllen, weniger stark belastet und dafür ältere stärker belastet werden. Die Einnahmen sollen ausschließlich dem Ausbau der Straßeninfrastruktur dienen, so einige Punkte des Antrages. Die Wettbewerbsposition einheimischer Transportunternehmen werde bei Umsetzung der gegenwärtigen Fassung verschlechtert, da ausländische Transportunternehmen in der Regel nicht in Deutschland tanken, wird erinnert. Thüringen soll sich im Bundesrat gegen die Erhöhung einsetzen.

Erfolg hatte auch der Kreisverband Gotha mit seinem Antrag, Hochschulpersonal an Schulen einzusetzen. Christian Döbel brachte den Antrag ein und nannte Beispiele der gelungenen Umsetzung einer solchen Praxis. Trotz zweier Gegenreden, die auf die jetzt schon hohe Belastung des mittleren akademischen Personals verwiesen, wurde der Antrag mit nur 11 Gegenstimmen angenommen. Ähnliches gilt für einen Antrag, Unternehmen höhere Freibeträge und im Insolvenz-Verfahren höhere Pfändungsfreibeträge zu gewähren. Dies sei die Anpassung an das Bürgergeld, wurde in der Diskussion sinngemäß erinnert. Alle weiteren Anträge wurden an den Landesvorstand verwiesen. Dazu zählte auch jener, den polytechnischen Unterricht in Thüringen wieder verbindlich einzuführen.

 

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Rückblick auf das Herbstfest in Friedrichroda mit den Thüringer Bergteufeln

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Friedrichroda ist ein besonderer Ort im Landkreis Gotha. „Heilklimatischer Kurort Premium-Class“ lautet der Titel. Seine wichtigste Bedingung ist saubere Luft. Die gibt es in und um Friedrichroda. Man spürt es schon, wenn man aus urbaneren Regionen kommt und aus dem … Weiterlesen

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Gothas 1. Weinfest war ein voller Erfolg

 

Gotha
Einen vollen Erfolg nennt der Vorsitzende des Gothaer Gewerbevereins, Andreas Dötsch, das 1. Gothaer Weinfest auf dem Buttermarkt am 9. und 10. Juni. Die Gastronomen seien mit dem Umsatz glücklich, nimmt er an, wobei der Freitag noch mehr Publikum hatte. Sportereignisse und der Thüringentag in Schmalkalden könnten am Samstag eine Konkurrenz dargestellt haben. Musiker spielten bis in die Nacht. Es wurde getanzt, geklatscht, mitgesungen und vom vielfältigen Weinangebot probiert. Der zweite Beigeordnete der Kreisstadt Gotha, Peter Leisner (SPD) hatte das Fest eröffnet. 2024 soll es das 2. Gothaer Weinfest geben.

Gotha
Am 9. Juni, einem Freitag, wird um 16 Uhr auf dem Buttermarkt das erste Gothaer Weinfest eröffnet, das singulär steht, also nicht nur Bestandteil eines anderen Festes ist. Vor wenigen Tage trafen sich dazu viele der Organisatoren und Beteiligten am „Friedenskuss-Thron“, der in der Mitte des Marktes steht, um letzte Absprachen zum Verteilen der Sitzplätze, Tische und Bänke und zum Ablauf zu treffen. Rund 500 Sitzplätze werde es zusätzlich geben, sagt Andrea Fanselau-Steffen, die sich gemeinsam mit anderen um die Popularisierung des Festes kümmert. Gemeinsam mit den Plätzen der Gastronomen am Buttermarkt können dann 1000 Menschen am 9. und 10. Juni dort sitzen. Der von attraktiver historischer Bausubstanz umstandene Markt gilt manchem als der schönste der Stadt.
Nach der Eröffnung durch Gothas Bürgermeister Ulf Zillmann (CDU), Mitglieder des Vorstandes des Gewerbevereins und der Kreissparkasse beginnt das Programm mit Live-Musik von Robin Hofmann. Es folgt Matthias Schauf. Er spielt bis 23 Uhr.

Am Samstag, dem 10. Juni beginnt das Weinfest mit einem Frühschoppen, den DJ Christian aus Bufleben musikalisch begleitet. Nach ihm spielen und singen Josefin Langner und Bastian Coburger. Ab 16 Uhr ist der Multi-Instrumentalist Uwe Sauer alias „Lieder-Willi“ am Mikrofon, ab 18.30 Uhr bis 23 Uhr spielt Robby Scheidt.

Vielfältig ist auch das Angebot an Wein und Speisen. Jeder Gastronom bietet seine Weine an, zuzüglich hat Janine Luhn von der Weinbar am Buttermarkt drei Winzer eingeladen, weitere Weine zu präsentieren. Stefan Skoberla vom Irish Pub S’limerick hat Flammkuchen, aus dem „Alpha-Omega“, dem griechischen Spezialitätengeschäft am Hauptmarkt kommt Souvlaki. Heiko Günther mit seinem „Tiroler Bauernstandl“ bietet unter anderem Käse an.

Neben dem Engagement der Händler und Gastronomen im Umfeld des Buttermarktes sind es die Kreissparkasse Gotha, die Stadtverwaltung, das Citymanagement, die „Kultourstadt Gotha GmbH“, „Oscar am Freitag“ und selbstverständlich der Gewerbeverein selbst, ohne die das Fest nicht möglich wäre, unterstreicht dessen Vorsitzender Andreas Dötsch. So half die Sparkasse finanziell, die Kultourstadt mit Handzetteln und Plakaten. Einige Künstler verzichten auf die sonst übliche Gage.

Werde es gut angenommen, soll es das Fest künftig jedes Jahr geben, sagt Andrea Fanselau-Steffen.

 

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Update: Partei gegründet, Kandidat nominiert, Unterschriften zu sammeln…

Ronald Funke, der stellvertretende Vorsitzende der Handwerkerpartei Deutschland, gratuliert Birger Gröning (rechts im Bild) zur Nominierung als Kandidat der Partei zur Europawahl. 4000 Unterschriften wahlberechtiger Unionsbürger müssen nun gesammelt werden, damit der Wahlvorschlag zugelassen wird. „Unterstützerunterschrift“ ist die offizielle Bezeichnung. Wer unterschreibt, der unterstützt, dass die Partei überhaupt auf dem Wahlzettel erscheint. Dies ist nicht gleichzusetzen mit der Wahl der Partei.

 

„Wie ein Kaktus am Strand“

 

Interview mit Birger Gröning, fraktionsloser Abgeordneter im Thüringer Landtag

Birger Gröning

Birger Gröning war mal SPD-Mitglied, trat 2019 für die AfD im Wahlkreis Gotha I zur Landtagswahl an und gewann das Mandat direkt, trat später aus der AfD aus und bildete mit der ehemaligen FDP-Abgeordneten und drei weiteren ehemaligen AfD-Abgeordneten die Gruppe Bürger für Thüringen. Doch er und Lars Schütze verließen auch die Bürger für Thüringen und sitzen nun als fraktionslose Abgeordnete im Landtag des Freistaates, haben sogar Angestellte der Fraktion verklagt.

Meine Fragen an Birger Gröning:

Einen Abgeordneten zu verlieren, der im ersten Anlauf seinen Wahlkreis direkt gewonnen hatte, ist vermutlich schmerzlich. Sie sind gegenüber der AfD in Thüringen diesen Weg dennoch gegangen. Was waren die Gründe?

Birger Gröning:
Es gab mal eine Ausschluss-Liste innerhalb der AfD. Wer Mitglied ist oder war in bestimmten, als extrem rechts einzustufenden Organisationen, kann nicht AfD-Mitglied sein. Dieser Grundgedanke gefiel mit gut, doch in jüngste Zeit habe ich die klare Abgrenzung gerade innerhalb der Thüringer AfD vermisst. Ich halte ein Verbot der Partei nicht für ausgeschlossen. Auch waren meine Familie und ich Anfeindungen ausgesetzt.

Warum dann „Bürger für Thüringen?“. Oscar Helmerich beispielsweise, ein anderer ehemaliger AfD-Abgeordneter, ist in der Legislatur vor der Ihren in die SPD-Fraktion und in die SPD eingetreten.

Birger Gröning:
Ich habe reichlich Kritik auch an der SPD als Mit-Regierungspartei in Thüringen. „Bürger für Thüringen“ konnte mit Gründerin Ulrike Bergner, Tosca Kniese, Lars Schütze und mir eine parlamentarische Gruppe bilden. Die Gruppe hat mehr Einflussmöglichkeiten als ein einzelner Abgeordneter und ich habe geglaubt, die Interessen der Bürger stünden dort wirklich im Mittelpunkt.

Und standen sie das?

Birger Gröning:
Pauschal will ich das nicht bewerten, aber man kann daran zweifeln, wenn es beim Umgang mit dem Geld der Steuerzahler bereits einiges gibt, was milde formuliert verwundert. Meine Bedingung für den Eintritt war damals, das ich der parlamentarische Geschäftsführer der Gruppe werde. Und in dieser Funktion hätte ich zur Grundentschädigung, auch Diät genannt, eine Aufwandsentschädigung von monatlich 1700 Euro extra als Funktionszulage bekommen sollen. Zulagen gibt es auch für Ausschussvorsitzende. Da gab es im Juli 2000 ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das die Zulagen unrechtmäßig nennt, da auf diese Weise eine Einkommens-Hierarchie unter den Abgeordneten einer Fraktion entsteht, was sich auf das Abstimmungsverhalten auswirken kann. Nur die Zulage an den Fraktionsvorsitzenden sei rechtmäßig. Während im Jahr 2013 Uwe Höhn für die damalige SPD-Fraktion gegenüber dem Landesrechnungshof noch unterstrich, es würden keine Zulagen für weitere Funktionen gezahlt und ein ähnliches Schreiben auch der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen leicht im Netz auffindbar ist, wird das Heute offenbar ganz anders gesehen. In einem MDR-Bericht vom November 2022 bestätigen alle Fraktionen die Zahlung, nur die AfD äußerte sich nicht. Aber seien sie sicher, auch dort wird das Geld gern genommen. Eine seltene Einigkeit der Parlamentarier. Zum Einzelplan 01 im Thüringer Haushaltsgesetz — er betrifft den Thüringer Landtag und damit die Einkommen derer, die den Haushalt beschließen — gibt es eigenartiger Weise keine Änderungsanträge aus den Fraktionen, während andere Einzelpläne ausführlich diskutiert werden. Ich habe dazu Ende 2022 eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt, deren Beantwortung wegen Nichtzuständigkeit abgelehnt wurde. Ich wollte daraufhin die Auskünfte von der Landtagsverwaltung bekommen und warte darauf noch heute. Eine dies betreffende Beschwerde bei der Landtagspräsidentin blieb folgenlos. Das Einstellen der von mir verfassten Petition zum Thema auf die Online-Petitionsplattform des Landtages wurde abgelehnt. Allerdings habe ich als parlamentarischer Geschäftsführer der Gruppe diese Zulage nicht bekommen. Ich hätte dagegen klagen können, habe aber bewusst auf eine solche Klage verzichtet, denn hier steht Landesrecht im Gegensatz zu einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Alle Erklärungen wie zum Beispiel gestiegene Komplexität der Aufgaben gehen ins Leere, denn sie ändern nichts an dem Grundprinzip, dass durch die Aussicht in den Genuss solcher Sonderzahlungen kommen zu können die freie Mandatsausübung beeinträchtigt wird. Der Fraktionsvorsitzende könnte die „belohnen“, die immer mit ihm stimmen. Wer diese Zulagen kassiert, muss damit rechnen, das Geld mal zurückzahlen zu müssen.

Das ist sicher unpassend in Zeiten, in denen die Realeinkommen der Steuerzahler durch Corona-Maßnahmen, seit Jahren steigende Energiepreise und vieles andere sinken, war aber nicht der Grund des Zerwürfnisses mit „Bürger für Thüringen“, Sie und Lars Schütze betreffend, denn die anderen Fraktionen und die FDP-Gruppe nehmen das Geld ja auch in Anspruch. Was waren die Gründe?

Birger Gröning:
Einer der Konflikte drehte sich um Clarsen Ratz, Generalsekretär der Partei Bürger für Thüringen und angestellter Geschäftsführer der Gruppe Bürger für Thüringen. Wie gesagt, angestellt, nicht etwa gewählt. Seine Arbeitsplatzbeschreibung sollte eine Art politische Richtlinienkompetenz beinhalten, er somit ohne Mandat Einfluss auf das Verhalten der gewählten Abgeordneten ausüben können. Lars Schütze und ich setzen ein Ultimatum, wir würden aus der parlamentarischen Gruppe austreten, wenn er bis dahin nicht entlassen sei. Er wurde nicht entlassen, sondern noch vor Ablauf des Ultimatums ein Partei-Ausschlussverfahren gegen uns eingeleitet. Ich erfuhr davon aus der Presse. Dem sind wir durch unseren Austritt zuvor gekommen. Damit war der Status der Gruppe im Landtag allerdings vorbei und damit waren auch die zusätzlichen „Pfründe“, die Fraktionen wie Gruppen in Anspruch nehmen, erledigt.
Man sollte sich vergegenwärtigen, über welche Beträge, die vom Steuerzahler aufgebracht werden, wir hier reden. Es sind etwas über 45.000 Euro für Sachkosten und (ab Dezember 2022) über 44.000 Euro Personalkosten-Zuschuss, nicht jährlich sondern monatlich allein für eine parlamentarische Gruppe, für Fraktionen ist die Summe noch deutlich höher. Der Betrag schwankt etwas, je nachdem, ob es einen Oppositionsbonus gibt oder nicht, also die Gruppe oder Fraktion der Opposition angehört oder nicht. Außerdem steigt der Betrag mit der Anzahl der Abgeordneten, die der jeweiligen Fraktion oder Gruppe angehören. Aber am Ende sind es jährlich fast 16 Millionen Euro, die der Steuerzahler aufbringen muss. Wenn man sich dazu überlegt, an wie vielen wichtigen anderen Stellen Geld fehlt. Ich sage nur: Bildung, Zustand der Infrastruktur, Energiekosten. Da muss man sich schon fragen, ob eine Fraktion nicht auch dann arbeiten kann, wenn sie nicht jeden Monat Beträge erhält, die für den Kauf eines anspruchsvollen Neuwagens reichen würden.

Angezeigt haben sie aber die Partei „Bürger für Thüringen“ in Gestalt von Clarsen Ratz und Mathias Goldhan. Ratz ist Generalsekretär der Partei und Goldhan stellvertretender Parteivorsitzender. Ratz war, als es die Gruppe noch gab, außerdem deren angestellter Geschäftsführer.

Birger Gröning:
In dieser Eigenschaft, also als angestellter Geschäftsführer, hat Ratz einen Auftrag für die Beschaffung von Büroausstattung im Wert von rund 80.000 Euro an die Firma von Mathias Goldhan vergeben, ohne Ausschreibung, ohne nicht mindestens drei Angebote einzuholen. Also der Generalsekretär einer Partei überweist Geld aus Fraktionsmitteln an den stellvertretenden Vorsitzenden der selben Partei. Und es gab nicht einmal eine Inventarliste, die aussagt, was an Ausstattung bereits vorhanden ist. Es fehlte also auch die Bedarfsermittlung. Daher die Anzeigen von Lars Schütze und mir. Und es gab noch mehr Ungereimtheiten, die mir übel aufstießen. Zum Beispiel eine Klausurtagung in Victors Residenz Hotel, nur wenige hundert Meter vom Landtag entfernt, mit einer fetten Hotel-Rechnung von fast 3400 Euro, eine Fahrt in die Schweiz, um die direkte Demokratie dort kennen zu lernen, alles auf Kosten des Steuerzahlers. Allein die Hotelkosten betrugen da rund 9150 Euro. Auslandsreisen aus Fraktionsmitteln zu bezahlen gestatten die Richtlinien nur, wenn eine dauerhafte Zusammenarbeit vereinbart werden soll.
Sie sehen, selbst eine parlamentarische Gruppe schafft es, das Geld zu verbrauchen.

Wie fühlt man sich, wenn man Zahlungen an seine Kollegen, sei es als Fraktion oder Gruppe oder als Einzelperson, der Kritik unterzieht?

Birger Gröning:
Wie ein Kaktus am Strand. Ich habe aber nicht für das Mandat kandidiert, um jedermanns Liebling zu sein oder so viel wie möglich zuzüglich zu den Diäten zu bekommen. Wie jeder andere Teilhaushalt gehört auch der Einzelplan 01 in jedem seiner Abschnitte auf den Prüfstand.
Rechnen wir mal eine Fraktion mit zehn Abgeordneten, in der Opposition. Die CDU, auf die formal eine Oppositionsrolle zutreffen würden und die AfD, die wohl von den meisten Menschen als Opposition gesehen wird, haben 21 beziehungsweise 19 Abgeordnete, also deutlich mehr. Ich komme auf monatliche Sach- und Personalkosten bei einer solchen fiktiven Fraktion der Opposition von monatlich 99040,51 Euro. Real ist es entsprechend mehr, wenn die Anzahl der Abgeordneten höher ist oder weniger, wenn sie geringer ist oder es sich „nur“ um eine parlamentarische Gruppe handelt. Aber noch immer, weil monatlich gezahlt, übers Jahr enorme Beträge. Fraktionen der Regierungsparteien erhalten den Oppositionsbonus nicht. Die Beträge bleiben dennoch hoch.
Wie gesagt, dabei sind nicht die Grundentschädigung, die Aufwandsentschädigung und die Aufwendungen für persönliche Mitarbeiter, die der einzelne Abgeordnete unabhängig von seiner Fraktion oder Gruppe erhält. Für die erstmalige Bürogrundausstattung und Erneuerungen im Falle eines Wiedereinzugs eines Abgeordneten in der folgenden Legislaturperiode gibt es auch noch mal Geld.
Über die Zusätzliche Entschädigung, also die aus meiner Sicht rechtswidrigen Zulagen für Funktionsträger der Fraktionen oder Gruppen außer des Vorsitzenden beziehungsweise Sprechers, sprachen wir ja bereits. Das kommt bei einigen noch obenauf. Wer so sehr vom Steuerzahler alimentiert wird, sollte einen sparsamen Umgang mit den Mitteln nachweisen können.

Trotz all der Querelen, werden sie erneut kandidieren?

Birger Gröning:
Ja, das habe ich vor. Allerdings nicht als parteiloser Einzelkandidat. Ich plane zunächst, mich an der Gründung einer neuen Partei maßgeblich zu beteiligen. Werde ich von deren Gremien nominiert, steht ein aufwendiger Wahlkampf bevor.

Wie soll die neue Partei heißen, was steht im Grundsatz- und im Wahlprogramm?

Birger Gröning:
Handwerkerpartei Deutschland. Eine Pressemitteilung dazu habe ich bereits herausgegeben. Sie heißt so, weil das Handwerk zu den Garanten menschenwürdigen Lebens gehört. Handwerker können nicht einfach mal die Produktion ins Ausland verlagern, weil dort die Energiepreise günstiger sind. Handwerker sind unverzichtbar, unsere Infrastruktur zu erhalten und stark durch Abgaben belastet. Zum Grundsatzprogramm möchte ich hier nur auszugsweise ein paar Aspekte anführen. Die neue Partei sollte aus meiner Sicht eintreten für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, für den Erhalt des Verbrennungsmotors, gegen Mehrfachbesteuerung, für Naturschutz und Aufforstung, für die Überwindung der Energieprobleme…

Das aktuelle Programm steht hier

Danke für das Gespräch!

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Der Kreislauf des Wassers steigt im Preis

Energiekosten erhöhen den Aufwand der Zweckverbände

Für das Wasser aus dem Drei-Quellen-Brunnen in Erfurt wird kein Geld verlangt. Es entspricht chemisch nicht der Trinkwasserverordnung, mahnt ein dort angebrachtes Schild. Es sei jedoch mikrobiologisch unbedenklich, sollte aber nur in kleinen Mengen getrunken werden. Zurzeit (April 2023) wird nahe der Quelle ein Wehr saniert, daher ein Rückstau bis nahe an die Rohre.

Landkreis Gotha

Jörg Thier, Immobilienmakler- und Verwalter aus Waltershausen, macht auf die höheren Wasserkosten aufmerksam.

Jörg Thier, Immobilienmakler und Immobilienverwalter aus Waltershausen, staunte nicht schlecht, als er jüngst die Abrechnungen des Zweckverbandes Wasserversorgung und Abwasserbehandlung “Schilfwasser-Leina” der von ihm verwalteten Immobilie in der Hand hielt. Auch wenn es im Amtsblatt bereits angekündigt war, könnte sich so mancher zu früh über nur moderate Kostensteigerungen oder gar geringfügig gesenkte Zwischenzahlungen freuen. Denn aus fünf Abschlägen sind nun sechs geworden. Der Zweckverband handelt jedoch nicht so, um seine Kunden zu verärgern. Er hat keine andere Wahl. Alle Leistungen anderer Firmen, die der Verband in Anspruch nehmen muss, sind teuerer geworden und Rechnungen sind pünktlich zu bezahlen. Ein großer Faktor ist Strom, ohne den keine Pumpe Wasser in Hochbehälter hinauf oder Abwasser abpumpen könnte, ohne den kein Rührwerk im Klärwerk sich drehte. Und da die Kalkulation ohnehin am 31. Dezember 2022 ausgelaufen ist, werden nun die höheren Kosten für die 3400 Kunden sichtbar. Sicherheitshalber geht der Verband Schilfwasser-Leina zu einer nur zwei Jahre währenden Kalkulationsfrist über, war aus der Verwaltung zu erfahren. Es gebe ohnehin immerhin eine Nachkalkulation der vergangenen Jahre. Da die Zweckverbände keinen Gewinn machen dürfen, werde ein eventuelles Plus dann in der folgenden Periode verrechnet.

Der Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserbehandlung “Schilfwasser-Leina”, hier das Verwaltungsgebäude in der Unteren Bachstraße in Friedrichroda, muss höhere Gebühren einfordern. Der Wechsel zu sechs statt fünf Abschlägen ist durch laufende Kosten begründet.

Mag die Preiserhöhung für einen wassersparsamen Haushalt nur ein kleineres Problem sein, wirkt sie sich beispielsweise in der Friedrichrodaer Dialyse-Praxis von Dr. Sebastian Oehmer und Torsten Rittweiler spürbar aus. Ungefähr 9000 Euro mehr sind nun pro Jahr zu zahlen, denn der Wasserverbrauch in der Dialyse ist hoch. Ein Versuch, Wasser zu sparen würde den Patienten schaden, denn die Qualität der Entgiftung ließe dann nach.

Beim Wasser- und Abwasserzweckverband (WAZV) Apfelstädt-Ohra wird die Kalkulationsperiode nicht abgebrochen, auch wenn sich die Preis im Energiemarkt stark erhöht haben. Allerdings ist der Preis für die Abwasserentsorgung ab 1. Januar von 2,89 Euro auf 3,22 Euro pro Kubikmeter gestiegen. Die Gebühr für Niederschlagswasser stieg auch, aber nur gering. Der Trinkwasser-Preis bleibt bis 1. Januar 2025 erst einmal konstant. Apfelstädt-Ohra hat dennoch investiert und dafür auch Fördermittel genutzt . Um im Falle eines Stromausfalles schneller reagieren zu können, sind Pumpstationen für den Einsatz von Notstromaggregaten so vorbereitet, dass einfach nur ein Stecker vom Aggregat in der Station eingesteckt werden muss. Das sei früher aufwendiger gewesen, sagt Werkleiter Thomas Chowanietz.

Beim Wasser- und Abwasserzweckverband Gotha und Landkreisgemeinden ändert sich zunächst nichts für die Kunden. Die Frage, die Kalkulationsperiode abzubrechen sei diskutiert worden, sagt Werkleiter Christian Ludwig. Man habe es dann aber doch bei der alten Kalkulation, die Ende 2020 beschlossen wurde und bis 2024 geht, belassen. Nach den Strompreisen vom August 2022 neu zu kalkulieren hätte zu extremen Abschlagszahlungen geführt. Nun wird offenbar auf eine weitere Beruhigung der Märkte gehofft. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es insgesamt nicht teuerer wird, ist gering.

Das Verbandswasserwerk Bad Langensalza und der Abwasserzweckverband „Mittlere Unstrut“ versorgen und entsorgen einige Orte im Norden das Landkreises, Tonna und Dachwig beim Trinkwasser und die Fahner Höhe beim Abwasser. 2021 konnte der Verband Energieverträge bis 2024 abschließen, die sich aus heutiger Sicht als günstig erweisen. Der Versorger, die Stadtwerke Bad Langensalza, haben auch nicht gekündigt. So blieben die Gebühren erst einmal konstant. Ob die Kalkulationsperiode bei vier Jahren bleibt oder verkürzt wird, sei noch nicht endgültig entschieden, er gehe davon aus, dass es bei vier Jahren bleibt, sagt Werkleiter Mario Putzer. Er kann sich aber mit Blick auf die künftige Kalkulation ein Abkoppeln vom allgemeinen Kostentrend nicht vorstellen. Mit anderen Worten, auch im Unstrut-Hainich-Kreis und im Norden des Landkreises Gotha könnte es ab 2024 teuerer werden. Strom ist dabei nur ein Faktor, auch Kosten für Dienstleistungen, Material und Bauleistungen sind gestiegen.

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Heimspiel, unentgeltlich, nicht umsonst

Nach coronabedingter Pause seit 2022 wieder möglich: Das vom gleichnamigen Verein organisierte „Heimspiel“ auf dem Gothaer Hauptmarkt. Der Eintritt ist frei, Bands und Künstler aus der Region treten ohne Gage auf. Hier ein Blick auf den Hauptmarkt zu später Stunde. Im Vordergrund eine der Skulpturen auf der Balustrade der „Pferdetränke“, geschaffen vom Hallenser Bildhauer Professor Bernd Göbel.

 

Nach zwei Jahren Pandemie-Ausrufung freut man sich über jedes Ereignis, das Menschen erfreut und zueinander bringt. Am Samstagnachmittag war es auf dem Hauptmarkt der Kreisstadt Gotha endlich mal wieder soweit, das 7. „Heimspiel“ begann auf der Bühne vor der Südfront des Rathauses mit einem Theaterstück des Vereins „art der stadt“, dargeboten von Daniela Rockstuhl. Die Auftritte von Liedermachern und Rockbands folgten, eine Bauchtanzgruppe erfreute mit einem Spontan-Auftritt. Bis gegen 24 Uhr spielten die Musiker, zuletzt der Band „Barmy Rote“. Außerdem dabei waren „Georges le Chanteur“ mit französischen Chansons, „Die Namenlosen“ mit Blues, der Liedermacher Olaf Bessert, die „Gruppe Bein“ und „Silvery Motion“. Mit zunehmender Dunkelheit kam die Illumination des historischen Rathauses immer mehr zur Geltung. Hier ergänzten sich die Beleuchtung nach dem anlässlich der Hauptmarkt-Sanierung entwickeltem neuen Beleuchtungskonzept und das zusätzliche Lichterspiel auf ansprechende Weise.

Die Idee zum Heimspiel stammt von einer Handvoll engagierter Gothaer, die sich 2015 sagten, im Sommerloch fehle Gotha ein Fest. Sie gründeten dafür sogar eigens einen Verein, den „Heimspiel e.V.“ Die Künstler verzichten auf ihre Gage, so kann der Eintritt unentgeltlich bleiben. Von 2015 bis 2019 gab es die Heimspiele auf dem oberen Hauptmarkt mit jeweils bewährten und neuen Akteuren und steigendem Zuspruch. Trotz des Verzichts der sieben Vereinsmitglieder, zu denen auch Moderator Ralph-Uwe Heinz gehört und der Künstler auf jedwede Bezahlung entstehen natürlich Kosten, schon allein für den Bühnen-Aufbau. Das Heimspiel finanziert sich durch Sponsoren und Spenden. 2021 fand es in kleinerem Rahmen ausnahmsweise im Hof einer Kirche in der Südstraße statt.

Wer künftige Heimspiele unterstützen möchte, erfährt die Bankverbindung per E.-Mail an heimspiel-gotha@web.de. Spender, Sponsoren, Helfer und Künstler sind auch für 2023 gefragt, das Sommerloch mit Abwechslung und guter Laune zu füllen.

Inzwischen ist das Heimspiel für den 17. Juni ab 15 Uhr 2023 auch angekündigt. Mit bisher folgendem Programm:

 

Franz Kalbe Quartett (auf Insta unter @quattrostagionimusic zu finden)

WoodWay – Back to Rock

E.O.B

das Duo Wasser & Wein mit Olaf Bessert

Strange Rebound

Hydrogen Electronic Music

HipHop mit Modez+Francesco+Stony und ShortyNstrumentals

Dazu komme noch eine bunte Auswahl weiterer kleiner Auftritte, kündigen die Organisatoren an.

(Veröffentlichung auf Facebook am 9. Mai 2023)

 

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Andacht bei Niedrigwasser

Die Apfelstädt nahe "An der Obermühle" in Wechmar im Juli 2022. So sieht es aus, wenn der Zufluss frischen Wassers allmählich versiegt.
Die Apfelstädt nahe „An der Obermühle“ in Wechmar im Juli 2022.

Noch immer offene Fragen zum Wassermanagement der Apfelstädt.

Als sich am Donnerstag, dem 30. Juni gegen 18 Uhr etwa 100 Menschen zur Andacht im Freien am Wehr der Apfelstädt nahe der Wandersleber Straße, wo der Mühlgraben abzweigt, zu einer Andacht mit Pfarrer Bernd Kramer einfanden, stand der Posaunenchor der Kirchgemeinde Wandersleben-Apfelstädt trockenen Fußes im Flussbett. Wasser, das dort noch ankommt, wird am Wehr vorbei geleitet. Es ist nicht viel. Der Mühlgraben liegt trocken. Schuhe mit dicken Sohlen reichten, trocken von einer Seite zur anderen zu kommen. Unter der Autobahnbrücke zwischen Günthersleben-Wechmar und Schwabhausen ist das sogar in Sandalen möglich. Zwischen den Steinen, die dem Flussbett ein naturnahes Aussehen geben würden, wenn genug Wasser fließen würde, sind nur größere Rinnsale.

Trockengefallene Abschnitte gab es schon immer in der Apfelstädt. Mitunter versickert das Wasser im Karst-Gestein. Für maximal ein paar Wochen. Sagen die Einheimischen. Wäre es anders, könnte es die Apfelstädtaue mit viel zusammenhängender Vegetation und geschützten Tierarten gar nicht geben. Wanderwege und Radrouten am Ufer hätten keinen Reiz, denn man wäre der prallen Sonne ausgesetzt und ein trockenes Flussbett spendet keine Kühlung.

Andacht am Wehr am westlichen Ortsrand von Apfelstädt, gehalten am 30. Juni 2022.
Andacht am Wehr der Apfelstädt im Ort Apfelstädt mit dem Posaunenchor der Kirchgemeinde Wandersleben-Apfelstädt und Pfarrer Bernd Kramer. Die Musiker konnten im Fluß stehen. Zwei Schecks zugunsten der Bürgerintiative und der Ortsgruppe des Naturschutzbundes wurden übergeben.

Doch seit Ende 2019, Anfang 2020 währt die abschnittsweise Trockenheit vom Frühsommer bis in den Herbst. Thomas Koch wohnt seit 58 Jahren in Wechmar nahe am Fluss und sagt, so trocken wie in den letzten Jahren sei die Apfelstädt noch nie gewesen. Auch die Betreiber kleiner Wasserkraftanlagen nahe Georgenthal und in Herrenhof bestätigen das. Der Mühlgraben im Ort Apfelstädt, eigentlich über einen Abzweig zu speisen, lag so lange Zeit trocken, dass die Wände zu den anliegenden Häusern Risse bekamen. Als im regenreichen Sommer 2021 der Mühlgraben wieder Wasser führte, drang durch die Risse Wasser in Keller ein. Inzwischen ist der Mühlgraben längst wieder vollkommen trocken. Vor Jahren waren Abschnitte des Baches noch aufwendig renaturiert worden.

Über die Ursachen gibt es unterschiedliche Auffassungen. Das thüringische Umweltministerium sagt, grob zusammengefasst, Versickerungen und der Klimawandel seien die wichtigsten Gründe. Die Bürgerinitiative „Lebensraum Apfelstädt“ sieht den Hauptgrund im Vorbeileiten an der Apfelstädtaue vom Einzugsgebiet aus, in dem die Talsperren „Alte Tambacher“, „Schmalwasser“ und „Ohra“ liegen, über eine bis dahin ungenutzte Fernwasserleitung nach Erfurt. Dieses Projekt mit dem Titel „Westring-Kaskade“ wurde 2020 endgültig umgesetzt und beinhaltet Stromgewinnung bei Gotha und im Erfurter Norden, das Auffüllen eines größeren Teiches anlässlich der Bundesgartenschau und die Bewässerung von Obstplantagen.

Die Bürgerinitiative sieht den Bestand einer der größeren zusammenhängenden Flussauen im Freistaat Thüringen insgesamt gefährdet. Sie wurde gegründet zu erreichen, dass in trockenen Zeiten mehr Wasser aus dem Ablass der Talsperren in den Fluss abgegeben wird und dazu auch gegebenenfalls der Zufluss in die Westring-Kaskade eingeschränkt wird. Ein schneller und breiter fließendes Gewässer würde zum einen die Sickerstellen teilweise durch den Sedimente-Transport zusetzen, zum anderen auch den Grundwasserspiegel anheben und damit den Pflanzen der Aue wieder mehr Chancen geben. Sterbende Bäume und Notfällungen entlang der Apfelstädt gab es leider schon. Das Umweltministerium argumentiert sinngemäß, die Wasserableitung in die Westring-Kaskade hätte mit dem Niedrigwasser nichts zu tun. Ursachen seien, das Teile des Flusswasser versickern und die trockenen Jahre. Auch würde ja im Winter angestautes Wasser aus den Talsperren bei Niedrigwasser im Sommer zusätzlich ins Flussbett abgegeben. Die Mindestabgabe aus den Talsperren sei für die Sommer erhöht worden.

Tag für Tag wird aus dem Speicher Wechmar Wasser in die Apfelstädt abgegeben.

Die Bürgerinitiative hat gemeinsam mit dem Angler-Verband einen Film erstellt, dem zu entnehmen ist, woher das Wasser für die Talsperren kommt. Es ist das Einzugsgebiet der Apfelstädt. Sicher tragen die Talsperren dazu bei, Extreme abzuschwächen. Aber an der Gesamtbilanz ändern sie nichts. Wird ein Teil des Wassers nicht mehr in das Flussbett gegeben, summieren sich nach einiger Zeit die Verluste. So sinngemäß die Argumentation der Bürgerinitiative. Welche Betrachtungsweise schlüssiger erscheint, mag der Leser selbst entscheiden. Den Speicher Wechmar in diesem Sommer abzulassen hilft nur kurz. Es betrifft nur die Aue unterhalb des Zuflusses aus dem Speicher und es schafft zusätzliche Probleme, wenn dieses Wasser mit seiner anderen Zusammensetzung und Temperatur dem Fischbestand schadet. Auch wird der Speicher ebenso von der Apfelstädt gespeist, soweit sie genug Wasser führt. Der Speicher soll allerdings entgegen ursprünglichen Plänen zum Rückbau ertüchtigt werden.

Die Bürgerinitiative fordert daher unverändert, die Westring-Kaskade dem jeweiligen Wasserangebot angepasst zu steuern und gegebenenfalls auch zeitweilig abzustellen.

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Flächenland

Unter meinen Büchern habe ich es zunächst nicht wiedergefunden, so schmal ist der Buchrücken. „Flatland“, mal Flächenland, mal Flachland übersetzt, ist schnell gelesen. 162 Seiten hat die von mir gewählte Ausgabe vom Verlag Traugott Bautz. Großer Abstand zwischen den Zeilen, unten viel Luft.

Lässt man die Details aus, ist die Geschichte auch schnell erzählt. Der Bewohner eines Landes, in dem es nur zwei Dimensionen gibt, bekommt Besuch aus der dritten. Aus einem „Oben“ heraus, das es in seiner Welt eigentlich nicht gibt, besucht ihn eine Kugel. Sie erscheint zunächst als Punkt, dann als Kreis, der immer größer wird. Dann wird der Kreis wieder kleiner bis zum Punkt und verschwindet. Die Kugel erklärt dem verdutzten Bewohner die dritte Dimension, ja nimmt ihn sogar mit auf eine Reise da hinein, in deren Verlauf er sein ganzes Flachland von oben betrachten kann. Aber als er zu philosophieren beginnt, es müsse dann ja auch noch eine vierte und weitere Dimensionen geben, wirft ihn die Kugel wütend zurück in seine zweidimensionale Welt.

Dem Bewohner fällt es schwer, das Erlebnis zu verarbeiten. Er versucht, seinen Landsleuten die Existenz einer dritten Dimension zu erklären, wird nicht verstanden, zum Aufrührer und Verrückten erklärt und letztlich eingesperrt. Im Gefängnis besucht ihn nur noch sein Bruder, der jedoch die dritte Dimension auch nicht begreift.

Die Beschreibung der Verhältnisse in Flachland ist eine beißende Satire auf vergangene und je nach Blickwinkel auch heutige Zeiten. Auch von einer Erfindung, einem daraus resultierenden Aufstand und dessen Niederschlagung wird berichtet. Das Buch erlebte bereits im Jahr 1884 seine zweite Auflage und liest sich dennoch auch heute spannend.

Entscheidend ist die Botschaft: Was wir nicht begreifen, kann es dennoch geben. Wer das leugnet, bringt möglicherweise Unrecht über andere und raubt sich selbst Chancen und Hoffnung auf Rettung und Entwicklung. Gerade die letzten zwei Jahre lehrten mich auf viel einfacherer Ebene als der vieler Dimensionen, wie schnell für unmöglich Gehaltenes wirksam und wahr werden kann.

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Der Stausee Friemar

Abendlicher Blick auf den Stausee von der Dammkrone der Staumauer aus.
Der Stausee Friemar in der Abendsonne. Hier der Blick von der Dammkrone der Staumauer aus.

Ruhe finden. Zehn Kilometer nordöstlich Gotha liegt der Stausee Friemar, auch Immertal-Stausee genannt. Keine Motorboote, kein Lärm am Strand. Nach rund dreieinhalb Kilometer hätte man ihn, zu Fuß oder mit dem Fahrrad, einmal umrundet. Ortsnah bei Friemar gibt es Parkplätze an der Gaststätte „Am Stausee“ und einen Spielplatz. Arbeitseinsätze Friemarer Einwohner und die Gemeinde sanierten ihn. In das Wasser führt ein Steg, doch die wenigen Ruderboote sind abseits davon verankert und es gibt keinen Bootsverleih. Vor allem Angler nutzen das Gewässer. Häufiger begegnet man Spaziergängern auf der Dammkrone. Wenn die Sonne auf oder untergeht und es windstill ist, spiegeln sich die Baumreihen auf der ruhigen Wasseroberfläche.

Deren Ausdehnung schwankte in den letzten Jahren stark. Der Verein „Angler-Treff“ aus Gotha gibt auf seiner Homepage 24 Hektar an. Doch Ende 2020, Anfang 2021 drohte der See zu verlanden. Wie damals die regionale Tageszeitung Thüringer Allgemeine unter Berufung auf den Verein berichtete, war der Normalpegel des Sees von 4,33 Meter Wassertiefe auf 1,50 Meter gesunken. Die Thüringer Fernwasserversorgung (TFW) als Eigentümer des Speichers gab für Mitte Januar 2021 einen Pegel von 2,37 Meter an. Das Stauvolumen war laut Angler-Treff auf 90.000 statt 440.000 Kubikmeter gesunken. Für Mitte Januar 2021 gab die TFW 107.000 Kubikmeter an.

Abendstimmung am Stausee, vom Steg aus gesehen.
Abendstimmung am Stausee, vom Steg aus gesehen.

Der einzige nennenswerte Zulauf zum Speicher kommt von der Immer aus Richtung Tröchtelborn. Bevor Tröchtelborn an die zentrale Kläranlage in Gotha angeschlossen wurde, seien noch erhebliche Mengen Wasser aus Einzelkläranlagen in den Stausee geflossen. Jetzt ist es nur noch das Regenwasser, das im Ort in die Immer geleitet werde, stellte der Verein damals fest. Die Quelle der Immer selbst bringe nur noch wenig Wasser in den Bachlauf, auch sei der Grundwasserspiegel enorm gesunken. Damals verlandete sogar das auf der Fläche des Stausees gelegene Vogelschutzgebiet. Der Angler-Treff, der erheblich in den Fischbesatz und die Wasserqualität investiert hatte, schlug Alarm. Die TFW unterstützte finanziell 2021 und 2022 Baggerarbeiten, den Wasserzulauf zu verbessern. Die Angelsportfreunde trugen mit Arbeitseinsätzen bei. Hilfreich waren auch etwas größere Niederschlagsmengen. Inzwischen steigt das Wasser ganz allmählich wieder. Damit bekommt der Speicher auch optisch wieder mehr Reiz. Der Angelverein nimmt alle 14 Tage Wasserproben, um die Qualität zu sichern.

Ergänzung, bezogen auf den 29. September 2022

Zwischenzeitlich war der Wasserstand des Stausees Friemar wieder gesunken. Grob geschätzt halbiert hatte sich damit erneut das Stauvolumen. Die Niederschläge Ende September 2022 haben noch nicht viel gebracht, etwa 3,10 Meter sind am Schieberturm abzulesen. Das eigentliche Stauziel, 4,33 Meter, ist nicht erreicht.

Der Schieberturm am Abend des 9. September 2022.

 

Der Stausee aus etwa 500 Meter Höhe gesehen.

Am 23.04.2023 in der Wasserstand, soweit am Schieberturm abzulesen, ein paar Zentimeter gestiegen.

3,50 Meter am Schieberturm nahe der Staumauer. Noch Ende März 2023 waren es nur 3,14 Meter. Der Pegel fiel laut Auskunft der Thüringer Fernwasserversorgung seit Mai 2022. Offenbar haben die reichlichen Niederschläge im April etwas gebracht.
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